Kultur : In 90 Minuten darf man nicht schwächeln Ein Gespräch mit Regisseur

Paul Thomas Anderson

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Sie haben schon öfter Schauspieler in für sie ungewöhnlichen Rollen besetzt, Mark Wahlberg in „Boogie Nights“ zum Beispiel oder Tom Cruise in „Magnolia“. Wie kamen Sie diesmal auf Adam Sandler, der vielen als die Inkarnation der dämlichen Komödie gilt?

Ich mag viele seiner Filme, und ich halte ihn für einen wunderbaren Schauspieler. Wir stellten dann fest, dass wir eine ganz ähnliche Einstellung zu unserer Arbeit haben. Wir geben beide alles für einen Film. Es stimmt, dass wir aus zwei vollkommen unterschiedlichen Welten des Films kommen. Aber warum sollen wir keinen Film zusammen machen? So etwas erinnert mich immer an die Diskussion um Operntenöre, die keine Popmusik singen sollen. Sandler war außerdem froh, dass er einmal nicht die gesamte Last des Filmes auf seinen Schultern tragen musste.

Wollten Sie sich mit „PunchDrunk Love“ vom Image als intellektueller Regisseur befreien?

Es hatte etwas von einem Befreiungsschlag. Wenn man zu lange im Haus gewesen ist, sollte man wieder einmal nach draußen gehen. Ich habe versucht, Neuland zu betreten. Außerdem wollte ich schon immer einen richtig schönen Liebesfilm machen. Es war sehr erfrischend, einen leichten, komischen Film zu drehen.

Früher warf man Ihnen vor, Ihre Filme seien zu lang und ambitioniert. Diesmal sind es klassische 90 Minuten, und Sie beschränken sich auf eine Geschichte.

Ich fand das verdammt schwierig. Es war, als müsste ich immer in einer Wohnung bleiben, ohne im Rest des Hauses herumlaufen zu dürfen. Aber es war auch sehr interessant, so ökonomisch zu arbeiten und zu sehen, wie weit ich mit diesen Mitteln komme. Was kann ich in 90 Minuten erzählen? Da darf man nicht schwächeln. Ich habe ein wenig von Blake Edwards und Jaques Tati abgeguckt. Die beste Entspannung nach einem Tag am Schreibtisch ist für mich immer noch, ein bisschen stoned zu sein und einen Film von Blake Edwards zu sehen.

Wie persönlich ist dieser Film, wie viel Paul Thomas Anderson steckt in der Geschichte?

Meine Drehbücher sind immer sehr persönlich. Ich weiß, wie es ist, bis zur Besinnungslosigkeit verliebt zu sein. Und ich komme aus einer sehr großen Familie. Daher kenne ich den alltäglichen Wahnsinn einer großen Familie.

Ist ein Film für Sie jemals fertig, oder haben Sie immer das Gefühl, Sie hätten ihn noch verbessern können?

Ich habe immer noch die fixe Idee, dass ich zehn Minuten aus „Magnolia“ hätte herausschneiden müssen, um den Film noch besser zu machen. Aber ich habe keine Ahnung, an welcher Stelle.

Das Gespräch führte Christian Aust.

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