Kultur : In Adolf Winkelmanns Komödie spielt Guildo Horn den Mutti-Tröster

Ralph Geisenhanslüke

Letztes Jahr noch wurde sein Hüftspeck zum Nationaldenkmal verklärt. Heute gelten Entertainment-Produkte, die mit seinem Namen verbunden sind, als haarige Sache. Keiner hat Guildo Horn mehr lieb. Der Medienzauber ist verflogen. Konzerte müssen abgesagt werden, Tonträger warten nahezu unbeachtet auf Käufer. Als Horn in Werbe-Spots ein Konfekt als "runde Nuss-Ecke" bezeichnete und damit eines seiner Image-Heiligtümer verkaufte, wandten sich viele Anhänger mit Grausen. Die Trash-Ikone war zum ganz normalen Mutti-Tröster geschrumpft. Eine runde Ecke eben. Nun kommt ein Film ins Kino, mit dem Hauptdarsteller Horn und Regisseur Adolf Winkelmann weder sich noch dem Publikum einen Gefallen tun.

Winkelmann, mehrfach mit Grimme- und Bundesfilmpreisen ausgezeichnet und früher für trockenen Humor bekannt, inszenierte die Barbier-Posse "Waschen Schneiden Legen" auf jene Schlüsselreize hin, die Horns Anhängerschaft unlängst noch für die Spitze postmoderner Ironie hielten. Doch des Meisters Mischung aus vorsätzlichem Scheiße-Sein und täppischer Herzenswärme ist nicht nur schnell wieder aus der Mode gekommen. Sie fängt an zu riechen.

Horn spielt Hans-Anton, einen Friseur, der noch bei seinen Eltern wohnt. "Andere in meinem Alter sind schon Witwe" - so schnauzt die Mutter ihren Gatten an (Ulrich Wildgruber in einer seiner letzten Filmrollen). Hans-Anton arbeitet nebenan im Salon und schmachtet zur Floristin hinüber. Die aber will heiraten. Ihr Prinz kommt im roten Dreier-BMW mit HSK-Kennzeichen vorgefahren. In Schwerte-Westhofen, wo der Film gedreht wurde, bedeutet das: Der Insasse ist ein Bananenbieger.

Eigentlich liebt die Floristin den Friseur. Aber sie können es einander nicht gestehen. Trotzdem beschließen sie, eine kleine Reise zu unternehmen. Schließlich muß die Handlung ja irgendwo hin gehen. "Vier Tage Hauptstadtgefühl für 199 Mark". Auf der Busfahrt beginnt der unangenehme Teil. Schon die fortgesetzten Anzüglichkeiten um die Verben "Bürsten" und "Legen" haben eine Bartlänge, bei der auch unterbelichtete Barbiere zur Schere greifen würden. Und wenn Sissy Perlinger als TV-Turbo-Huhn darüber räsonniert, was für "ein Scheißleben" es in Berlin sei, wo es "gar keine richtigen Männer" gebe, möchte man sich Sex gleich ganz abgewöhnen. In Winkelmanns Berlin, wo jede Kaschemme "ein Szeneladen" ist, wird hemmungslos in die Klischee-Kiste gelangt. Spätestens wenn Horn dann um Jold-Else und B-Tor herumschmalzt, wird es Zeit, die Einführung einer Sonderabgabe für die kinematografische Verwurstung Berliner Wahrzeichen zu diskutieren.In acht Berliner Kinozentren

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