Kultur : In alle Winde

Die Privatsammlung Georg Schäfer kommt bei Neumeister in München unter den Hammer

Michaela Nolte

Sein erstes Bild erwarb Georg Schäfer Anfang der zwanziger Jahre vom Einstandsgehalt im Familienbetrieb, der Schweinfurter FAG Kugelfischer: ein Landschaftsbild des 1840 geborenen Johann Sperl, im Stil der Münchener Schule, der Schäfer als Sammler zeitlebens treu blieb. So verzeichnet die kommende Neumeister-Auktion mit Werken aus der Sammlung Georg Schäfer allein 18 Sperls. Auch sonst sind Künstler der bayerischen Metropole von Albrecht Adam bis Anton Zwengauer in allen Preiskategorien präsent: von geschätzten 25000 Euro für Carl Rottmanns Bild der Insel „Aulis“ bis zu 400 Euro für eine „Distelstaude“ von Josef Wopfner.

Georg Schäfers Liebe zur Kunst hatte bereits der Vater in ihm geweckt. Doch Schäfer junior entwickelte eine extensive Leidenschaft, mit der er die bedeutendste Privatsammlung vornehmlich deutscher und österreichischer Kunst des 19. Jahrhunderts aufbaute und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht unwesentlich zu deren Revision beitrug. Im Nachhall nationalsozialistischer Kulturpolitik haftete den Nazarenern oder der biedermeierlichen Ironie eines Carl Spitzweg in den Nachkriegsjahren etwas geradezu Anrüchiges an. Doch Schäfer ließ sich davon nicht beirren. Der Eigensinn des fränkischen Patriarchen und vielleicht auch seine Zurückhaltung gegenüber der Öffentlichkeit ließen diese Sammlung über Jahrzehnte und in aller Stille, unabhängig von modischem und fernab von finanziellem Kalkül wachsen. Hinzu kommt ein heutzutage gerade singulärer Zug seiner Sammlernatur: Schäfer selbst hat kein einziges seiner Bilder verkauft. Weder die später groß Gehandelten noch die regionalen, bisweilen durchaus mediokren Maler possierlicher Tier- und Landschaftsidyllen.

So hinterließ er nach seinem Tod im Jahre 1975 weit über 10000 Gemälde und Handzeichnungen – die Sammelleidenschaft hat jedoch keines seiner sechs Kinder geerbt. Bereits 1978 kamen Werke bei Christie’s in London unter den Hammer, 1999 erzielte Neumeister in München mit rund 300 Gemälden einen Gesamterlös von 9 Millionen Mark. Kurze Zeit danach überbot Christie’s mit einer Sonderauktion in Düsseldorf das Ergebnis noch und erzielte 9,3 Millionen Mark. Der Erlös der letzten beiden Auktionen kam der von den Erben eingerichteten Stiftung zugute, die das im Jahr 2000 eröffnete Museum Georg Schäfer in Schweinfurt unterhält.

Ob das Aktionshaus Neumeister, das drei Jahrzehnte zu Schäfers Beratern und Mittlern zählte, an den Erfolg von 1999 anknüpfen kann, ist ungewiss. Zwar kommen rund 800 Gemälde des 18. bis 20. Jahrhunderts sowie ein gutes Dutzend Skulpturen – darunter Auguste Rodins auf 25000 Euro geschätzte Bronze „Ewiger Frühling“ – zum Aufruf. Die Auswahl an Hochwertigem ist jedoch durch die vorangegangenen Auktionen dezimiert und der Kernbestand von rund 900 Gemälden und 4000 Papierarbeiten hat sein Domizil im Museum Schäfer gefunden.

Dennoch sind die Bestände immens, wenn auch von unterschiedlicher Qualität. Dementsprechend niedrig setzt Neumeister nun die Schätzpreise an. So führt Max Liebermanns ruhiges Bildnis zweier spielender Mädchen, dessen Vorstudie das Berliner Kupferstichkabinett beherbergt, die Preisspitze mit 35000 Euro an; für des Malers „Enkelin Maria auf dem Arm der Kinderfrau“ sowie für ein „Selbstbildnis“ werden je 25000 Euro erwartet. Auf ihre Kosten kommen auch die Freunde der italienischen Motive, vornehmlich bei den zahlreichen Nazarenern und Deutsch-Römern: Veduten von Carl Wilhelm Götzloff sind als vierteilige Serie auf 14000 Euro taxiert, für geschätzte 18000 Euro verführt Heinrich Reinhold in den „Garten der Kapuziner bei Sorrent“ und Jakob Philipp Hackerts „Hafen von Livorno III“ ist mit 20000 Euro bewertet. Das Gros der Lose bewegt sich preislich jedoch im unteren vierstelligen Bereich. Ein „Einsamer Waldteich“ von Walter Leistikow kommt für 4000 Euro zum Aufruf und zwei Brustbilder von Wilhelm Leibl bewegen sich zwischen 6500 und 5000 Euro. Stillleben von Carl Schuch werden von 3000 bis 18000 Euro angeboten, seine Landschaften und Portraits gibt es bereits ab 2500 Euro. Doch vielleicht geht gerade Neumeisters moderate Preistaktik auf. Im Jahr 2000 wurden Schuch-Bilder mit Schäfer-Provenienz, um 30000 Mark beziffert, von dem Wiener Sammler Rudolf Leopold um das Drei- bis Fünffache gesteigert.

Auktionshaus Neumeister, Barer Straße 37, München. Vorbesichtigung bis 23. Februar; Auktion 24. und 25. Februar; www.neumeister.com

0 Kommentare

Neuester Kommentar