In Between (5) : Zweifeln und verzweifeln

Zwischen den Jahren: So heißt die Zeit von Weihnachten bis Silvester. Eine gute Gelegenheit, sich über die Interimitäten des Lebens Gedanken zu machen. Christian Schröder über die Pubertät als Phase des Dazwischenseins.

Christian Schröder

Die Pubertät, so hat der Komiker Helge Schneider befunden, sei die „schlimmste Zeit im Leben“. Sie macht einsam und rebellisch, vor allem aber ist sie mit Hautunreinheiten verbunden, angefangen mit der Akne vulgaris über, so Schneider, Akne Funghi, Akne Tonno und Akne Salami bis zur allerschlimmsten aller Akneformen, der „Aktentaschen-Akne“, mit Hautpusteln „so groß wie Aktentaschen“. Witze über die Pubertät haben selber etwas zutiefst Pubertäres. Aber ist Komik nicht immer irgendwie unreif?

Die Pubertät ist ein Zustand des Dazwischenseins. Die Kindheit endet, aber das Erwachsensein hat noch nicht richtig begonnen. Wer pubertiert, fühlt sich nirgendwo zugehörig. Er zweifelt und verzweifelt, an sich, seinen Eltern und Lehrern, an der Welt. Die Pubertät ist die Hölle, aber es gibt eine Rettung daraus: Poesie und Popmusik.

Der ultimative Pubertätssong heißt „In Between Days“. Zu euphorisch dengelnden Gitarren und einem traurig seufzenden Synthesizer beschwört die britische Gruftband The Cure einen Zustand der inneren Zerrissenheit: „Yesterday I got so old / I felt like I could die / Yesterday I got so old / It made me want to cry.“ Die Adoleszenz fühlt sich tragisch an. Man möchte sterben, man möchte heulen, vor allem kann man sich nicht entscheiden. „Go on go on / And disappear / go on go on / Away from here“, bittet Sänger Robert Smith zunächst, um zwei Strophen später dann doch zu barmen: „Come back come back / Come back to me.“ Bleiben oder Gehen, Aufbruch oder Agonie, Liebe oder Trennung. Es gibt so viele Möglichkeiten, aber richtig ist keine. Happy End unmöglich.

Robert Smith hat im April seinen 50. Geburtstag gefeiert, doch der Pubertät ist er immer noch nicht entkommen. Bei Konzerten steht er bis heute mit kunstvoll hochtoupierten Haaren, kajalstiftumrandeten Augen und lippenstiftrotem Mund auf der Bühne. Die aufwendig hinpräparierte Melancholie ist sein Markenzeichen. Bei Youtube kann man ein wunderbar wackeliges Livevideo von „In Between Days“ sehen, mitgeschnitten per Handy bei einem Konzert in New York. „Dieses Lied muss auf meiner Beerdigung laufen“, schreibt ein begeisterter Kommentator namens „deathrattles“. „Wenn bloß meine verdammten Kids einmal das tun würden, was ich sage.“ Die Pubertät ist irgendwann vorbei. Aber der Trotz bleibt.

Mit diesem Beitrag endet unsere Serie.

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