Kultur : In der Hitze der Nacht

43 Galerien, 13 Nationen, ein Hotel: Auf der Videomesse Loop in Barcelona werden die Besucher zu Akteuren und treffen sich zum gemeinsamen Screening im Bett

Uta Reindl

Viele internationale Großausstellungen sind schon fast geheime Kunstmessen. Dort wird längst nicht mehr nur gezeigt, sondern bereits vor der Ausstellung tüchtig verkauft. Umgekehrt verstehen sich viele Kunstmessen zwar als Verkaufsforen, aber ebenso gerne als manifestations culturelles. Aus der immer noch wachsenden Zahl der Kunstmessen spezialisieren sich insbesondere die jüngeren und gründen alternative Plattformen. Dazu gehört die Loop in Barcelona, die 2003 von drei spanischen Galeristen gestartet wurde, um eine Marktlücke zu schließen. Videokunst fordert dem Betrachter mehr Zeit ab, ist aber ideal für Jungsammler und Sammler mit kleinem Budget, schließlich liegt Videokunst – auf der Loop ab 2800 Euro – preislich immer noch unter dem anderer Genres.

Mit einem Hotel haben die Organisatoren für ihre Messe einen trefflichen Ort gefunden: In Hotelzimmern mag sich der Videofreund auf dem Bett oder im Sessel niederlassen, um mit anderen Besuchern die bewegten Bilder zu goutieren – bis sich der eine oder andere auf den Handel einlässt. In dieser intimen Atmosphäre entstehen fraglos andere Gespräche als auf den exponierten Ständen großer Messen.

Vor acht Jahren hatte die Loop ihren Auftakt in dem wunderbar schrägen Mittelklassehotel „Barceló Sans“. Der Wechsel in das edlere Viersternehotel „Catalonia Ramblas“ am zentralen Plaza Cataluña veränderte das Profil der Videomesse: Loop versteht sich immer deutlicher als kulturelle Plattform mit Screenings, Roundtables, Vorträgen, Diskussionen über Distributionsprobleme, Sponsoring, Konservierungs- oder Präsentationsstrategien. Das verdankt sie auch der Initiative der Frankfurter Galeristin Anita Beckers. Für die Internationalität war von Anbeginn eine Jury zuständig. Eines ihrer Mitglieder, der französische Video- Sammler Jean-Conrad Lemaître, sorgt bis heute für eine angemessene Präsenz französischer Galerien. Die Teilnehmerzahl der Loop hat sich auf 40 bis 60 Galerien eingependelt, die Besucherzahlen sind konstant.

Mark Wallinger, der britische Turner-Prize-Träger von 2007, zählte in diesem Jahr ebenso zur internationalen Prominenz wie Isaac Julian oder „Guardian“-Starkritiker Adrian Searle als Teilnehmer der Panels. Und während 8 000 Demonstranten auf dem Plaza Cataluña gegen Spaniens Wirtschaftspolitik protestierten, bewährte sich davon wenig berührt die neunte Ausgabe der Loop als The Place für Videoart Lovers.

In den Hotelzimmern liefen allerdings eher moderat politische Videos, die in melancholischen Bildern die bedrohte Natur oder das Verschwinden von Industriemonumenten behandeln. Dafür gab es mehr performative und experimentelle Arbeiten als je zuvor. 43 Galerien aus dreizehn Nationen waren dabei, darunter sechs deutsche Teilnehmer mit den Berliner Galerien Art Claims Impulse, Zink und Campagne Première. An letztere und ihren Schweizer Medienkünstler Uriel Orlow ging der begehrte „Hotel Catalonia Ramblas Award“, der mit einem Ankauf durch das Museum für zeitgenössische Kunst (MACBA) in Barcelona verbunden ist. Uta Reindl

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