Kultur : In der Oscar-Wilde-Adaption "Ein perfekter Ehemann" wankt ein korrupter Politiker

Carla Rhode

Politische Skandale, Intrigen, Korruption, Erpressung - ein Dilemma nicht nur unserer Gegenwart. Oscar Wildes Gesellschaftskomödie "An Ideal Husband", 1895 uraufgeführt, hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. ieß sich Wilde damals in seiner Anklage gegen die Verflechtung von Politik und Hochfinanz von den Vorgängen um die Finanzierung des Suezkanals inspirieren, können wir heute mühelos Parallelen zum Kohlschen Parteispenden-Sumpf ziehen. Es geht um die finanzielle Beeinflussung politischer Entscheidungen und deren Vertuschung, doch während Wildes selbstverständlich fiktive Hauptfigur im letzten Moment der Vorteilsnahme widersteht und prompt dafür belohnt wird, müssen wir auf derlei hochmoralisches Verhalten wohl vergeblich warten. Wenn überhaupt. Die Wahrheit bringen heute nicht mehr Schuldeingeständnisse, sondern die Gerichte ans Licht.

Deshalb, oder besser: trotzdem sollten wir Oliver Parkers Wilde-Adaption "Ein perfekter Ehemann" ohne Bitterkeit genießen, denn er verbindet den gesellschaftspolitischen Hintergrund mit einer feinsinnigen, psychologisch stimmigen Ehegeschichte, umrankt von weiteren, sich höchst delikat entwickelnden Beziehungen. Die Stärke des Films: ein brillantes Schauspielerensemble, das Wildes Figurenpark glänzend interpretiert. Das Eheglück von Sir Robert Chiltern (Jeremy Northam) und Lady Gertrud (eine ebenso zarte wie starke Cate Blanchett) scheint perfekt. Eine leidenschaftliche Liebe, eine steile Karriere, großes Ansehen in der Londoner Gesellschaft- da bleiben eigentlich keine Wünsche offen. Doch von einer Sekunde zur anderen wendet sich das Blatt, alles scheint gefährdet. Wenn Sir Robert nicht auf das dreiste Ansinnen der schönen Mrs. Cheveley (Julianne Moore) eingeht und gegen besseres Wissen im Unterhaus für ein Kanalbauprojekt stimmt, in das sie ihr ganzes Geld gesteckt hat, wird sie eine Bestechungsaffäre um den Beginn seines politischen Aufstiegs publik machen. Ihre Eleganz und Vornehmheit sind nur Fassade, lächelnd spricht sie die größten Gemeinheiten aus. Sir Robert wäre nicht nur beruflich erledigt, selbstverständlich würde sich auch seine äußerst tugendhafte Frau sofort von ihm abwenden.

Aus dem raffiniert gesponnenen Konflikt entwickelt sich ein amüsantes Geflecht aus Intrigen, Missverständnissen und Eifersüchteleien, in dem bald alle Beteiligten hilflos zappeln. Auch Lord Arthur Goring (Rupert Everett), der als Freund der Chilterns und Ex-Verlobter der Erpresserin zwischen den Parteien vermitteln will, gerät ins Zwielicht, was den eitlen, selbstgefälligen Lord, von Beruf Dandy, aber durchaus nicht aus der Balance bringt. Rupert Everett spielt diesen extravaganten Müßiggänger mit großem Charme, Wildes Bonmots gehen ihm mühelos von den Lippen. Überhaupt machen die geschliffenen Dialoge einen großen Teil des Vergnügens aus, das Smalltalkgeplänkel gibt sich mal philosophisch, mal inhaltsleer, amüsant ist es aber immer.

Der Film ist aber auch ein Augenschmaus. Oliver Parker, der nach "Othello" nun erst seinen zweiten großen Spielfilm gedreht hat, lässt die spätviktorianische Gesellschaft in einem attraktiven Ambiente agieren. Prachtvolle Entrees mit großzügig gestalteten Treppenanlagen, überladene, in düsteren Farben glühende Räume nach dem Geschmack des fin de siècle. Auch im Design präsentiert sich dieser Film als große Kunstanstrengung.Astra Filmpalast, Capitol, Cinema Paris, Cinemaxx Colosseum, Cinemaxx Potsdamer Platz, Cinestar Hellersdorf, Cinestar Tegel, International, Passage, Gropius Passagen, Kosmos, Ufa-Palast Treptower Park, OmU im Odeon

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