Kultur : In die Jurys!

Nach dem Urteil gegen Filmemacher Jafar Panahi

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Die Nachricht vom Dienstagabend hagelt mitten hinein in die abendländische Vorweihnachtsstimmung. Und sie zeigt, dass Diktatoren, ob in China oder Iran, ob in Politik oder Kultur, keine Atempause kennen, wenn es darum geht, ihre Völker zu unterdrücken. Wie berichtet, ist der bedeutende iranische Filmregisseur Jafar Panahi zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, offenbar „auf Bewährung“, wie aus dem übersetzten Wortlaut des Urteils vom 18. Dezember hervorgeht. Das Entscheidende: Panahi darf 20 Jahre lang weder Filme drehen noch Drehbücher schreiben noch Interviews geben. Außerdem hat er für diesen Zeitraum Ausreiseverbot. Ausnahme: die Pilgerfahrt nach Mekka.

Das Urteil, das mit selbem Strafmaß auch den jungen Regisseur Mohammed Rasulof trifft, hat zahlreiche Proteste ausgelöst. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, nennt das Berufs- und Reiseverbot „empörend“. Iran müsse „endlich die fundamentalen Menschen- und Bürgerrechte achten, zu deren Einhaltung das Land sich selbst verpflichtet hat“. Die Deutsche Filmakademie fordert zu Protestschreiben an die iranische Botschaft auf (iran.botschaft@t-online.de) und kritisiert, hier werde jener „Teil des kollektiven Gewissens“ kaltgestellt, den Filmemacher mit ihrer Arbeit für ihr Land verkörpern können. Berlinale-Chef Dieter Kosslick sagte: „Es ist erschütternd, dass ein renommierter Regisseur für seine künstlerische Arbeit bestraft wird.“

Die Berlinale ist vom Urteil gegen Panahi direkt betroffen, hat sie doch den Filmemacher, der nach mehrmonatiger Haft Ende Mai gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wurde, erst Anfang Dezember in ihre Jury eingeladen. Keinesfalls will man dort nun einen anderen Juror nachnominieren. Damit zeichnet sich für die Berlinale ein Bild ab, wie es schon das jüngste Festival in Cannes prägte: Für Panahi bleibt demonstrativ ein Stuhl in der Jury frei. Vielleicht sollten sich auch Cannes erneut und, so nötig, Venedig im Herbst zum selben Schritt entschließen und den vielfach für seine klugen, sensiblen Filme ausgezeichneten Iraner in ihre Jurys einladen: als Zeichen, dass die Weltgemeinschaft diesen Freiheitsraub nicht hinnimmt, der auf eine Arbeits- und Persönlichkeitszerstörung zielt.

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