Kultur : In diesem Jahr hat Herr Siegfried den Bogen überspannt

UWE FRIEDRICH

Siegfried Matthus ist ein Mann der großen Visionen.Vor acht hat Jahren hat er im Alleingang die Kammeroper Schloß Rheinsberg zur Förderung junger Sänger installiert, seine Verdienste um das Festival sind unbestritten.Inzwischen hat die Rheinsberger Sommeroper auch überregional einen guten Ruf.Doch schon im vergangenen Jahr hing der Haussegen bei der Kammeroper schief.Immer wieder wurden dem Gründer und Künstlerischen Leiter Siegfried Matthus sein autoritärer Führungsstil, Gutsherrengehabe und Größenwahn vorgeworfen.Matthus träumte öffentlich von einer Seebühne, machte teure Vorschläge, brachte illustre Namen ins Spiel, ohne sich um die alltäglichen Kleinigkeiten der Realisierung zu kümmern.Auch die Anzeichen künstlerischer Stagnation waren bereits im vergangenen Sommer nicht mehr zu übersehen.Verlangte Hauptqualifikation für Regisseure und Dirigenten ist offenbar, bereits anderswo Werke von Matthus aufgeführt zu haben.Das kann künstlerisch funktionieren, wie etwa in diesem Jahr mit Karoline Gruber, aber diese sehr persönliche Auswahl bringt auch ausgewiesene Langweiler in die märkische Provinz, etwa Michael Hampe, Hellmuth Matiasek oder Friedrich Meyer-Oertel.

Schon im vergangenen Jahr kam es aus persönlichen und künstlerischen Gründen zum internen Zerwürfnis zwischen Matthus und seiner Verwaltungsdirektorin Angelika Lieder, unter anderem wegen eines fehlenden Sponsorenkonzepts.In diesem Jahr wollte Siegfried Matthus auch noch das Schloßtheater ganz für sich allein, und damit hat er wohl den Bogen überspannt.

Originelle Ideen? Keine

Die ausgebombte Rheinsberger Theaterruine wird seit einem Jahr mit Millionenaufwand wiederaufgebaut.Das benötigte Geld kommt zum größten Teil aus europäischen Tourismusmitteln.Deshalb müssen die Stadt Rheinsberg und das Land Brandenburg nachweisen, daß der Tourismus durch das Theater das ganze Jahr über gefördert wird.Das ist allein mit der sommerlichen Kammeroper kaum zu begründen.Neben dem Opernfestival gibt es in Rheinsberg aber noch eine ganzjährig arbeitende Musikakademie.Es lag also nahe, beide Institutionen aufzufordern, ein gemeinsames Konzept für das neue Theater vorzulegen.Siegfried Matthus versteifte sich jedoch darauf, alleinherrschender Intendant und Künstlerischer Leiter des Schloßtheaters werden zu müssen, konnte jedoch nicht rechtzeitig mit einem Betreiberkonzept aufwarten.Deshalb erteilte Brandenburgs Kulturminister Steffen Reiche der Musikakademie den Zuschlag.Daraufhin kündigte Matthus fristgerecht seinen Posten als Künstlerischer Leiter.Gleichzeitig kündigte auch Verwaltungsdirektorin Lieder unter Hinweis auf die indiskutablen Arbeitsbedingungen unter Matthus.

Die Kammeroper stand ohne Leitung da.Auf die Schnelle mußte der Kulturminister sich für einen der beiden, Matthus oder Lieder, entscheiden.Reiche betonte zwar, er hätte Matthus sehr gerne in Rheinsberg gehalten, dankte ihm aber gleichzeitig für geleistete Dienste in der Art eines Nachrufs, und schloß eine weitere Zusammenarbeit kategorisch aus.Inzwischen hat Siegfried Matthus doch noch ein Betreiberkonzept nachgereicht.Er schlägt darin vor, neben Kammeroper und Musikakademie eine dritte Gesellschaft zu gründen, deren Aufgabe die Verwaltung des Schloßtheaters und des Kavalierhauses sein soll.Über diesen Umweg will Matthus den Einfluß der Kammeroper, das heißt seinen eigenen Einfluß, wieder verstärken.Künstlerische Ideen für die originelle Bespielung des Theater sucht man hingegen vergeblich in dem Papier.Ob Matthus mit diesem Konzept das Blatt noch einmal wenden kann, ist derzeit völlig ungewiß.Seine Kündigung ist rechtskräftig, und Kulturminister Reiche ist offenbar nicht verhandlungsbereit.

Bürgerinitiative: für Matthus

Die Querelen gehen jedoch mit Sicherheit weiter, denn noch ist Matthus in Amt und Würden und sorgt mit Nachhutgefechten für Aufregung.Schließlich verfügt er über beste Beziehungen in der Berliner Opernszene, wie auch Götz Friedrich und Harry Kupfer kommt er aus dem Felsenstein-Stall der Komischen Oper.Eine Bürgerinitiative, hinter der man den Komponisten selber vermuten darf, fordert den Verbleib von Matthus, auch ist er sich nicht zu fein, selber Unterschriften in eigener Sache zu sammeln.Doch wird ihm das wohl nicht mehr helfen, auch in Rheinsberg scheint die Zeit reif für einen Wechsel.

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