Kultur : In Fettbuchstaben

Die Vokabel "irritierend" wird meist als Synonym für verwirrend, uneindeutig, verzwickt, geheimnisvoll verwendet.Wem zu einem Kunstwerk nichts einfällt, hat mit "irritierend" einen sprachlichen Joker, der paßt.Nun kündigt die Galerie Mathias Kampl eine Schau des Münchner Künstlers Aribert von Ostrowski als "irritierend uneindeutigen Kommentar zum Kunstbetrieb" an.Doch man versteht nicht recht, weshalb der Umstand verwirren soll, daß ein Künstler auch Wirtschaftsgeschichte illustriert und sich dazu von Unternehmen einspannen läßt.Was dem einen Kunst am Bau, ist dem anderen angewandte Medienkunst.

Das Handelsblatt schaltete in der Süddeutschen Zeitung eine Anzeige und verwendete ein Foto von Thomas Struth.Es zeigt einen Blick auf die Berge von eben der Berghütte aus, in der die Fusion von Daimler Benz und Mercedes Benz entschieden wurde, um deren Fusion mit dem Chryslerkonzern vorzubereiten.Das Handelsblatt, so wird suggeriert, ist dort, wo Entscheidungen von weltpolitischer Tragweite getroffen werden, und sei es am Fuße des Ortler in Südtirol.Mit anderer Legende könnte Thomas Struths Landschaftsfoto auch auf Kalendern oder in Krankenzimmern verwendet werden.Foto und Text wirken beruhigend.

Aribert von Ostrowski zitiert diese Anzeige als Großformat, setzt Ziervögel davor und verschleiert das lebende Bild im Galerienfenster mit einer Gardine.Die Verfremdung verstärkt die Idylle ins Schrille.Es fehlen nur noch Kissen mit Stups neben gehäkelten Deckchen.Was die Werbeagentur als Topos aufgreift - den anmutigen Ort, schreibt von Ostrowski gleichsam gesperrt und unterstrichen in Fettbuchstaben mit Ausrufezeichen.Das ist nicht unvulgär.Man erfreut sich gleichwohl an Vögeln.Doch von Irritation und Uneindeutigkeit kaum ein Hauch.

ph

Galerie Mathias Kampl, Auguststraße 35; bis 17.April; Donnerstag / Freitag 14 bis 18 Uhr, Sonnabend 11-18 Uhr.

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