In KÜRZE : In KÜRZE

von
Schick. „Yves Saint Laurent“. Foto: SquareOne
Schick. „Yves Saint Laurent“. Foto: SquareOne

PANORAMA SPECIAL

„Yves Saint Laurent“ zeigt einen Rausch aus Triumph und Depression

Das Drama des Genies als Damenschneider. Kleiner macht es Jalil Lespert in seinem Biopic über den französischen Modeschöpfer Yves Saint Laurent nicht. Das erlesen ausgestattete, gepflegt bebilderte und sinfonisch durchgehend die große Gefühlsklaviatur bespielende Melodram zeigt einen klassischen Topos: die menschliche Tragik im Leben des von einem Hofstaat umringten und dennoch einsamen Künstlers. Die Triumphe, die Schaffenskrisen, die Scheu vor der Welt, die Gier nach Leben, Rausch, Liebe, die Drogen und die Depression.

Der Erzählbogen umspannt rund 20 Jahre im Leben des revolutionären Couturiers – von seinen Anfängen Ende der Fünfziger als blutjunger Assistent von Christian Dior über die Inthronisierung als Dior-Art-Director, den Nervenzusammenbruch mit anschließendem Psychiatrieaufenthalt vor der Einberufung zum Militärdienst in Algerien, die Gründung des eigenen Modehauses 1961 bis zur Trennung von seinem Partner Pierre Bergé (anrührend: Guillaume Gallienne) 1976. Der bleibt ihm trotzdem platonisch bis zu seinem Tod im Jahr 2008 als Geschäftspartner, Lebensgefährte und schließlich als Ehemann verbunden. Der erzählerische Fokus liegt auf Bergés Perspektive als lebenstüchtiger, mal eifersüchtiger, meist duldsamer „Künstlergattin“ des so scheuen wie egomanischen Yves Saint Laurent (fein ziselierend: Pierre Niney).

Das ist nicht sonderlich originell inszeniert, aber schick anzusehen: die luxuriöse Welt der Haute Couture, der Designer im weißen Arbeitskittel, das flirrende Marrakesch, die eleganten Fünfziger, das mit coolem Jazz unterlegte existenzialistische Paris der Sechziger, die schrillen Siebziger ziehen in schönen Gesichtern, Körpern, Kleidern vorbei. Saint Laurents stilbildende Modeschöpfungen erklären sich so nicht, wenn auch die Schauwerte einer Branche, in der der Schein das Sein zersetzt, stimmen. Gunda Bartels

7.2., 18 Uhr (Zoo Palast), 8.2., 10 Uhr (Cinemaxx 7), 9.2., 14.30 Uhr (Cubix 9), 16.2., 21.30 Uhr (Zoo Palast)

PANORAMA

Apokalypse in Wasserwüsten: „Nuoc“ taucht auf den Seelengrund

Von heute an gerechnet bleiben noch 16 Jahre – und die Apokalypse ist in vollem Gange. Sie sieht faszinierend unheimlich aus: Die Menschen leben in strohgedeckten Pfahlbauten über steigendem Meeresspiegel, umgeben von Offshore-Windparks mit stillstehenden Flügeln; in der Ferne schimmern Küstenstädte mit gewaltigen Industrieaufbauten, menschenleer. Und auf der Oberfläche des Ozeans, der sich im Blick der Kamera zuweilen wie die Haut eines Globus rundet, sind die übrigen Menschen mit Booten unterwegs, in denen winzige Fischlein schwimmen, Beute oder Talisman.

So berückend-bedrückend füllt die Wasserwüstenwelt in „Nuoc“ die Leinwand, und hier muss die schöne Sáo (Quynh Hoa) ihren noch so jungen Mann Thi (Thach Kim Long) im Boot zu Grabe fahren. Hinab mit dem metallenen Sarg auf eigenen Meeresgrund! Einem Skandal um genmanipuliertes Gemüse war Thi auf der Spur; es heißt, Wachleute eines schwimmenden Forschungslabors haben ihn getötet. Sáo will die Wahrheit wissen und heuert dort todesmutig als Hilfskraft an. Aber ist es diese Wahrheit, die sie herausfinden will? Was führt sie im Schilde gegen Giang (Quy Binh), den so unbösartig anmutenden wissenschaftlichen Leiter der Station?

„Nuoc“ ist insofern ein ScienceFiction-Film, als er in der Zukunft spielt. Er wäre sogar noch einer, wenn man die ausführliche, auf 2020 datierte Rückblende hinzunimmt. Aber statt mit computergenerierter, an Hollywood geschulter Hightech-Action besticht der vietnamesische Panorama-Eröffnungsfilm mit stillen, weiten Panoramen und einer Geschichte, die sich unmerklich vom Endzeitdrama über den Thriller in eine Liebesgeschichte (zurück-)verwandelt. Und der Showdown? Es ist einer im Wortsinn: Langsam sinkt die Kamera dem Meeresboden entgegen und erfasst, was vorhin noch unterm Himmel zu sehen war. Die Sintflut, eine Metapher nur: Was uns Menschen vergangen scheint, bleibt anderswo vorhanden – tief unten auf dem Seelengrund.Jan Schulz-Ojala

7.2., 20.15 Uhr (Cinestar3), 8.2., 20.15 Uhr (Cubix 7/8), 9.2., 22.30 Uhr (Colosseum), 14.2., 22 Uhr (Zoo Palast)

0 Kommentare

Neuester Kommentar