Kultur : In Massen Ware

Ulrich Clewing

besucht die Mutter aller Gruppenausstellungen Großausstellungen sind ein Thema für sich. Die ersten fanden bekanntlich in den Salons der Akademien im 19. Jahrhundert statt – insofern war am vergangenen Wochenende beim Rundgang der Berliner Universität der Künste die Mutter aller Gruppenausstellungen zu besichtigen. Ein entscheidendes Merkmal des Genres hat auch dieser Rundgang erfüllt: Unter den zahlreichen Künstlern, die an einer Gruppenausstellung teilnehmen, dürfen grundsätzlich immer nur ganz wenige wirklich auffallen. Warum das so ist, weiß keiner, doch falls es jemanden interessiert, folgt jetzt eine rein persönliche Einschätzung, wer von den mehrere hundert UdK-Studentinnen und Studenten die kommenden Künstlerstars sind: Nadja Kring, Tanya Kaya, Simon Menner, Philip Topolavac, Daniel Sabranski.

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In der Galerie von Joanna Kamm läuft derzeit ebenfalls eine umfangreiche Gruppenausstellung (Almstadtstraße 5, bis 11. September). Der Frankfurter Verleger Christoph Keller („Revolver“) hat die Schau mit dem Motto „Black Friday“ zusammengestellt. 40 Künstlerinnen und Künstler sind daran beteiligt, und es gibt eine Besonderheit, die gerade unter Marktaspekten Aufmerksamkeit verdient: Alle Arbeiten stehen als PDF-Dateien im Internet und können kostenlos heruntergeladen werden (www.black-friday.org). Naturgemäß sind nicht alle gleich interessant, ein paar jedoch sollten schon erwähnt werden, zum Beispiel „mmm...money pie “ von Liam Gillick, eine kleine Collage aus einem spätgotischen Holzschnitt. Unbedingt hervorzuheben ist auch Olaf Nicolais Beitrag. Er hat eine Art Schnittmuster ins Netz gestellt, mit dem man eine Arbeit „nach D. Judd“ selber bauen kann. Thomas Bayrle, Alt-Meister der politischen Pop-Art, hat eine seiner Montagen aus dem Börsensaal beigesteuert. Außerdem ist da noch eine aufmunternde E-mail an Initiator Keller. In der heißt es, dass sich die Klassenkampf-Ideologie heutzutage vielleicht etwas lahm gestrampelt haben mag über all die Jahre. Trotzdem bleibt ein Funken Hoffnung. Bayrle: „Na ja, es ist nie zu Ende! Es wird weiter gehen! Wir haben Kinder!“

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In diesen Zusammenhang passt komplementär die Einzelausstellung von Volker März in der DNA Galerie mit dem schönen Titel: „All I want is space for me“. März hat Dutzende von kleinen Figürchen im Ausstellungsraum installiert (Auguststraße 20, bis 7. August). Das wirkt zunächst putzig, allerdings nur so lange, bis man das Ganze näher betrachtet. Denn dann stellt man fest, dass das, wofür März Platz beansprucht, eher nicht jugendfrei ist, zumindest ist es nicht sonderlich appetitlich (200–1350 Euro). Manchmal sind Masse und Klasse eben doch zweierlei Dinge.

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