Kultur : In seinen Augen glüht rotes Höllenfeuer

Der "Holz-Teufel" im Hebbel-TheaterDer Teufel erzählt dem ausgebrannten Poeten Rattengift neuesten Klatsch aus der Unterwelt, wo alle aufklärerischen Dichter einsitzen.Marquis Posa sei zum Kuppler geworden, Shakespeare schreibe Erläuterungen, Horaz habe Maria Stuart geheiratet.Als höllischen Kritiker hatte Christian Dietrich Grabbe den Satan in seinem Stück "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" zur Erde aufsteigen lassen; als Melancholiker wirkt der Spötter im Marionettentheater des Ensembles Théatre du Fust aus Montélimar eher harmlos.Marionettenstücke hatten 1822, als Grabbes Text entstand, Konjunktur.Redlich wie der Hanswurst einer Wanderbühne bemühte sich der Holz-Teufel im Hebbel-Theater, jedes Gespräch zu sprengen, das Genie als dummen Tropf zu entlarven, einen freienden Freiherrn zum Mord an 13 Schneidern hinzureißen.Zu oft verstrickte er sich in die Verbrüderungslaunen anderer Puppen.Die französische Adaption glättet mit fünf Spielern und 30 Marionetten schrille Lustspiel-Töne des Originals zum Schwank mit Chansons.Von den Dialogen bleiben für Nichtfrankophone nur deutsche Monitor-Übertitel.Geschickt allerdings machen die beinhohen Marionetten manche hölzerne Szene wett.Besonders kunstvoll verwandelt sich des Teufels Großmutter, wenn sie mit ihrem Pelz auch das dunkle Gesicht fallen läßt, in eine blonde Prinzessin. (IB) Am 3.5.um 20 Uhr

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