Kultur : Indien: Bis zu 30 000 Tote nach Beben in Indien

Das Erdbeben in Indien hat katastrophale Folgen: Schätzungen zufolge muss mit bis zu 30 000 Toten gerechnet werden. Die Zahl der Toten könne 20 000 übersteigen, sagte der Regierungschef des teilweise verwüsteten Bundesstaats Gujarat, Patel, am Sonntag. Retter und Überlebende suchten im Wettlauf gegen die Zeit nach 125 000 Vermissten. Aus vielen Teilen der Welt machten sich Helfer auf den Weg. Am Sonntag erschütterten starke Nachbeben die Region. Überraschend bargen Helfer noch zehn Überlebende aus den Trümmern, darunter ein 18 Monate altes Mädchen.

Beobachter berichteten von einer Massenflucht aus der weitgehend zerstörten Stadt Bhuj. Auf der Suche nach Unterkunft, Essen, sauberem Wasser und medizinischer Hilfe verließen die Überlebenden die Ruinenstadt auf Lastwagen, Traktoren und in Bussen. Viele Tote wurden auf riesigen Scheiterhaufen verbrannt. Die Regierung in Neu Delhi will die Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank um Milliardenhilfe für den Wiederaufbau bitten.

Allein in Bhuj seien 20 000 bis 30 000 Menschen umgekommen, sagte Feuerwehrchef Mahure. Mehr als 100 000 Menschen würden unter den Trümmern vermutet. Offiziell bestätigt wurden 6181 Tote. Das 18 Monate alte Mädchen wurde wurde aus den Trümmern gerettet, seine Mutter starb, bevor die Rettungskräfte zu ihr gelangen konnten. Schweizer Hunde spürten zudem einen Jungen, seine Mutter und zwei Männer auf, die geborgen werden konnten. 50 Kilometer südöstlich von Bhuj wurden ein dreijähriges Mädchen und ein 50-Jähriger unversehrt gefunden. Bereits am Vortag waren zwei Männer und ein Mädchen gerettet worden.

Inzwischen begannen auch 27 deutsche Experten des Technischen Hilfswerks (THW) in Bhuj mit der Suche nach Überlebenden. Der Schweizer Suchtrupp zählt 50 Helfer. Das Deutsche Rote Kreuz will heute ein Feldlazarett und 35 Spezialisten dorthin schicken. Auch die UN kündigten Hilfe an. Die Europäische Union stellte 6,4 Millionen Mark bereit. Großbritannien, Frankreich, Israel, die Türkei und Russland brachten Hilfsmannschaften auf den Weg. Andere Länder schickten Hilfsgüter oder sagten Uterstütung zu. Auch Pakistan, zu dem die Beziehungen gespannt sind, bot Hilfe an. Anders als nach früheren Katastrophen lässt die indische Regierung ausländische Experten unbürokratisch ins Land. In Bhuj landeten alle zehn Minuten Hilfsflugzeuge.

Das Erdbeben hat auch eine wirtschaftliche Katastrophe ausgelöst. Der indische Industrie- und Handelskammerverband schätzt die Gesamtschäden an Gebäuden und durch Produktionsausfälle auf mehr als umgerechnet fünf Milliarden Mark. Gujarat gehörte zu den am stärksten industrialisierten Regionen Indiens. Mit einer Stärke von 7,9 auf der Richterskala war das Beben am Freitag das schwerste in Indien seit 1950.

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