INDUSTRIEGESCHICHTE„Eiserne Zeiten“ : Die schwarze Hand

Christina Tilmann

Feuerland hieß das Industrieareal vor den Toren der Stadt im 19. Jahrhundert, wo Borsigs Maschinenwerke standen. In einem Artikel der „Illustrierten Zeitung“ von 1848 heißt es über das Gebiet: „Berlin ist aus den Kleidern gewachsen; nun gut, vor dem Oranienburger Tor streckt sich aus dem engen Ärmel desselben seine kräftige, rußgeschwärzte Arbeitshand“. Es ist die Zeit der frühen Industrialisierung, Gasbeleuchtung, Wasserwerke, Kanalisation, Eisenbahnen entstehen, die moderne Großstadt zeigt ihre Züge. Eine wesentliche Rolle spielt dabei der Eisenguss: als Material für architektonische Tragekonstruktionen, Schienenstränge, aber auch Gebrauchsgegenstände wie Öfen, Gartenmöbeln und Küchengeräten, ja sogar Schmuckstücke wie Ketten, Ohrringe und Diademe. „Gold geb ich für Eisen“ war eine populäre Parole der Befreiungskriege, als Bürgersfrauen ihren Schmuck der Kriegsfinanzierung spendeten. „Fer de Berlin“ wurde dieser filigrane Schmuck genannt, der zumeist in der Kunstgießerei Lauchhammer entstand und sich noch heute großer Beliebtheit erfreut.

Dem Schicksal der drei Königlich-Preußischen Eisengießereien von Gleiwitz, Berlin und Sayn bei Koblenz ist nun eine Wander-Ausstellung gewidmet, die ihre dritte Station im Ephraim-Palais hat. Vorläufer und Auslöser war die Ausstellung über die Geschichte der königlichen Eisengießerei 2004 im Märkischen Museum. Die jetzige Ausstellung jedoch fasst das Thema weiter, stellt die drei Standorte ebenso vor wie die lange Experimentierphase, bis Künstler wie Friedrich Karl Schinkel ihre Meisterwerke schufen. Christina Tilmann

Ephraim-Palais, Sa 20.10. bis So 2.3.08, Di und Do-So 10-18 Uhr, Mi 12-20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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