Kultur : Indy und Söhne

Eine VORSCHAU von Christiane Peitz

Das Kinojahr 2008 beginnt hippiesk. Wes Andersons psychedelischer Indientrip „Darjeeling Limited“ bringt ab nächsten Donnerstag derart viel Sixties-Design, Sixties-Sound und Sixties-Feeling in die Lichtspieltheater, dass 40 Jahre ’68 eigentlich erschöpfend abgefeiert sein dürften. Aber nein, es geht weiter mit dem Klang der Revolte, dessen Echo ja noch bis spät in die Siebziger hallte: Am 10. Januar startet „Control“, die Lebensgeschichte des legendären Joy-Division-Sängers Ian Curtis in der Regie des Musikfotografen Anton Corbijn. Und ab Ende Februar ist Todd Haynes’ Bob-Dylan-Suchbilderbogen „I’m Not There“ zur Besichtigung freigegeben.

Was die Geburts- und Gedenktage insgesamt betrifft, ist 2008 eindeutig ein A-Jahr (siehe die Kinderseite zum A, Tsp. vom 29. 12.). Nicht nur wegen Maestro Karajan, der am 5. April 100 geworden wäre und von Salzburg über Wien bis Berlin gewürdigt wird mit Konzerten, Ausstellungen, Büchern und kiloweise CDs. Im Mai ist Brahms außerdem mit dem 175. Geburtstag dran, Franz Kafka feiert im Juli den 125., und Karl Marx steht im März mit dem 125. Todestag im Kalender.

Aber: alles ziemlich unrunde Jubiläen. Also die runden. Den Anfang machen am 9. Januar Simone de Beauvoir mit dem 100. Geburts- und Wilhelm Busch mit dem 100. Todestag, einen Tag darauf folgt Zille mit seinem 150. Wiegenfest. Die Filmwelt feiert später umso heftiger. Ende Februar geht es mit Tex Avery los, ab März ist nonstop Fete, bei den 100. Geburtstagen von Rex Harrison, Anna Magnani, Brigitte Helm, David Lean und Helmut Käutner. Bette Davis und James Stewart folgen mit leichter Verspätung im April und im Mai. Irgendein Cineasten-Gen muss im Sommer 1907 tüchtig unterwegs gewesen sein, damit im Frühjahr darauf so viele Stars das Licht der frühen Kintopp-Welt erblicken konnten.

Keine Angst vor Veteranen! Nach der Wiederkehr von Silvester „Rocky“ Stallone und Bruce „Die Hard“ Willis ist demnächst auch bei Rambo wieder Action angesagt. Und der für Ende Mai annoncierte Kinohöhepunkt des Jahres bringt einen weiteren Oldie zurück auf die Leinwand. Harrison Ford alias Indiana Jones denkt nicht daran, in Rente zu gehen. Ob der Archäologe wie vor 18 Jahren in Safari-Klamotten die Peitsche schwingt? Regisseur Steven Spielberg verrät keine Details über das auf Fan-Websites viel diskutierte (und viel belächelte) Sequel. Bekannt sind lediglich Titel („Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“), Jahrzehnt (die Fünfziger!) und die Tatsache, dass der Sohn des 65-jährigen Helden vom 21-jährigen Shia LaBeouf („Transformers“) gespielt wird. Fürchtet da jemand, wir Mädels fänden nur die Jugend attraktiv?

Von wegen. Vom Alter gegerbte Gesichter sind besonders sexy. Am 11. Dezember 2008 wird der Portugiese Manoel de Oliveira 100 Jahre alt, der dienstälteste aktive Filmemacher der Welt. Wir stellen schon mal den Champagner kalt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben