Kultur : Infusion

„Berlin Paris“: Galerien tauschen erneut die Räume.

von

Seit 1987 besteht die Städtepartnerschaft zwischen Berlin und der französischen Hauptstadt. Dieses Jubiläum fällt nun mit der vierten Auflage des Galerienaustauschprogramms „Berlin Paris“ zusammen, das in der französischen Botschaft erdacht wurde. Die Organisation übernahm erneut das Institut français, das Berliner Galerien zur Kooperation mit Pariser Kollegen einlud.

16 Galerien sind dabei – nach 26 Teilnehmern im Vorjahr eine signifikante Verkleinerung. Cathy Larqué vom Institut français begründet die Absage mehrerer Teilnehmer mit deren enger Terminplanung, verweist allerdings zugleich auf die große Sammlerszene in Paris und die Popularität Berlins für viele französische Künstler. Zu ihnen gehört Damien Cadio, der ab diesem Wochenende Gemälde in der Galerie Manzoni Schäper (Potsdamer Straße 77-87) ausstellt. Die Bilder zeigen Trouvaillen, Momente existenzieller Absurdität. Dem Trend zu halb dokumentarischen Arbeiten folgen Aurélien Froment bei Carlier Gebauer (Markgrafenstraße 67) und Sophie Nys bei Campagne Première (Chausseestraße 116). Froment meditiert über die pädagogischen Errungenschaften Friedrich Fröbels, während Nys filmisch durch den Parque do Flamengo in Rio de Janeiro gleitet. Mehr Vision als Wirklichkeit offerieren Chert und Motto (Skalitzerstraße 68) mit skurrilen Piktogrammen und Bildergeschichten von Yona Friedman.

Reflektionen über die Medialität von Kunst ermöglichen die beiden Gruppenausstellungen bei Zink (Linienstraße 23) und Klemm (Brunnenstraße 7) mit Werken, die jenseits theoretischer Erwägungen vor allem in ihrer Materialität reizvoll sind. Das gilt bei Zink insbesondere für die Objekte aus Obsidian von Mark Hagen und bei Klemm für Peggy Buth und ihr „carpet-piece“: ein roter, malerisch überarbeiteter Vorhang.

Einen coup de coeur kann man die künstlerische Intervention von Jean- Jacques Lebel bei Mehdi Chouakri (Invalidenstraße 117) nennen. Lebel wählte aus dem Programm und dem der Partnergalerie 1900-2000 aus, was sich zu sinnfälligen Clustern ordnen lässt; darunter von Peter Roehr, Francis Picabia und Meret Oppenheim. Ein spannender, gelegentlich provokativer Parcours. Erstmals nimmt auch ein Händler für Design teil: Ulrich Fiedler (Charlottenstraße 68) zeigt Möbel, die Pierre Jeanneret für Bauten der indischen Stadt Chandigarh entwarf, die sein Bruder Le Corbusier errichtete.

Begleitet wird das Projekt von Aktionen, die am heutigen Samstag, 30.6., von 12-18 Uhr im Café „Drei Schwestern“ (Kunstquartier Bethanien) stattfinden. Der Pariser Part des Programms startet am 6. Juli. Thomas W. Kuhn

www.berlin-paris.fr

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben