Kultur : INKA FRIEDRICH

Harald Martenstein

Sie sieht völlig anders aus als Marilyn Monroe und wird vermutlich niemals so berühmt sein, aber sie hat ein paar Sachen mit Marilyn gemeinsam. Sie hat einerseits dieses Mädchenhafte, Verletzliche, das bei männlichen Zuschauern unter anderem Beschützerinstinkte weckt. Hilflose, naive Unschuld kann sie in nahezu jeder gewünschten Dosis ausstrahlen. Andererseits wirkt sie, bei Bedarf, unglaublich patent, zupackend, burschikos. Inka Friedrich stammt aus Freiburg im Breisgau, aber der Regisseur Andreas Dresen hat erkannt, dass sie eine der perfektesten Darstellerinnen von „Ostfrauen“ ist (Kindchen, jeder weiß, dass Ostfrauen sich von Westfrauen unterscheiden). In „Willenbrock“ spielt sie eine betrogene Ehefrau, in „Sommer vorm Balkon“ war sie 2006 ein Prenzlauer-Berg-Single mit Kind, beide Male verkörperte sie auf hinreißendste Weise eine Mischung aus Mitten-im-Leben-Stehen und Am-Leben-Verzweifeln. Man könnte sagen, dass sie alltägliche Frauen darstellt, die der Zuschauer nur allzu gern vom Alltag befreien würde. Sie selber möchte angeblich gern ihr Image abschütteln und die harte „Lady Macbeth“ geben. Das ist so, als ob Marilyn Monroe eine böse Hexe spielte. Sie könnte es sicher, aber man hat Angst davor.

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