Kultur : Innere Balance

Rudolf Buchbinder spielt Beethovens Sonaten.

von

Nachdem Pianist Rudolf Buchbinder seinen Zyklus mit allen 32 Sonaten Beethovens bereits in 40 Städten aufgeführt hat, lernt jetzt endlich auch das Berliner Publikum das auf sieben Abende verteilte Großunternehmen kennen. In der zweiten Folge mit fünf Sonaten geht der Österreicher die Exposition des op. 10 in c- Moll barsch, fast hastig an. Man denkt gleich zu Beginn des Konzerts: Sollte es doch Stücke im Zyklus geben, die es vor allem hinter sich zu bringen gilt?

Schnell wird aber klar, dass Buchbinder das Werk in Blöcken disponiert: Zu viel innere Differenzierung beim ersten Thema würde den Kontrast zum zweiten aufweichen. Überhaupt zeichnet Buchbinders Interpetation aus, dass jeder Moment im engsten Bezug zum Vorangegangenen und zum noch Kommenden aufgefasst wird. Im langsamen Satz aus Op. 7 lässt Buchbinder schon in der Vorstellung des Themas zwischen den Phrasen Platz für die Einschübe, die erst in der Reprise eingefügt werden. Und selten hat man den wohltuend unromantisch genommenen ersten Satz der sogenannten „Mondscheinsonate“ so sehr als Teil eines Ganzen gehört.

Meisterhaft ist die innere Balance des Akkordspiels, der Anschlag ist direkt und deutlich. Buchbinders Beethoven-Stil würde man früher sicher „männlich“ genannt haben; man hört ihm auch eher mit staunender Konzentration als bewegt zu. Dennoch: Zur Zeit dürfte niemand das „neue Testament der Klavierliteratur“ so souverän im Griff haben wie Buchbinder. Die nächsten Termine am 20.2. und 26.3. sollte man sich jetzt schon in den Kalender eintragen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben