Kultur : Ins Nichts verweht

Die Spectrum Concerts stehen vor dem Aus.

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Ach ja, das Geld! Es ist schuld daran, dass die Spectrum Concerts Berlin nach 25 glanzvollen, inspirierenden Jahren in ihre letzte Saison gehen müssen. Ohne halbwegs stabile Finanzierung, so der Gründer und künstlerische Leiter Frank Dodge, wird sich Berlins aufregendste Kammermusikreihe nicht weiterführen lassen. Am Geld liegt es auch, dass gleich das Eröffnungskonzert sein Programm ändern muss – den Herren Grubinger war das Honorar für die Schlagzeug-Mitwirkung in Viktor Deweriankos Kammermusikfassung von Schostakowtischs 15. Sinfonie nicht hoch genug. Doch es passt zu der mutigen Formation, dass das größte Pech sich in Glück wandeln kann: Staunend begegnet man jetzt dem Klaviertrio des 17-jährigen Schostakowitsch, von einer ersten großen Liebe inspiriert, dessen geigerische Höhenflüge Janine Jansen mit unnachahmlicher Sensibilität versieht, dessen schwärmerischen Cellokantilenen Torleif Thedéen elegischen Schmelz gibt. Eldar Neblosin dagegen nimmt seine pianistische Virtuosität in kluge Balance zurück. Im Klavierquintett, das den Komponisten 17 Jahre später in einer verzweifelten Situation politischer Anfeindungen zeigt, kontrastiert der Pianist solche Zurückhaltung mit schonungslos gehämmerten Bassakkorden. Die Geigen mit dem herzhafter aufspielenden Boris Brovtsyn am ersten Pult steigern sich zu schmerzlichen Zuspitzungen, denen Maxim Rysanov warme, tröstliche Bratschentöne entgegensetzt – berührend der leise, fast im Nichts verwehende Ausklang des zwischen Trauer, Aufbegehren und Groteske changierenden Werkes.

Schostakowitsch erarbeitete sich mit diesem Werk neue Zukunftsperspektiven. Das Klarinettenquintett h-Moll, Abschiedswerk von Johannes Brahms, hätte als Konzertauftakt gegenüber der gewichtigen Schostakowitsch-Sinfonie gewiss anders gewirkt – so gerät der Ausklang fast zu wehmütig, zumal Martin Fröst sich mit zunächst etwas gepressten Klarinettentönen erst langsam gegenüber dem sensibel-leidenschaftlichen Streichquartett warmspielt. Isabel Herzfeld

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