Kultur : Insel-Erinnerungen

Bruno Flierl berichtet als Zeitzeuge von der DDR-Baupolitik

Michael Zajonz

Welche Bedeutung die architektonischen Symbole einer überwältigten Staatsmacht besitzen, war unlängst im Irak zu erleben. Ganz so heftig ist es in Deutschland während der letzten Jahrzehnte nicht zugegangen. Doch eine Demontage kann auch schleichend zum Erfolg führen. Im Rahmen der Vortragsreihe „machtArchitekturen“ an der Universität der Künste sprach Bruno Flierl über die Staatsbauten der DDR und unseren Umgang mit ihnen. Flierl ist Zeitzeuge: Der Nestor der ostdeutschen Architekturkritik erlebte die Diskussionen zwischen Planern und SED-Führung in den entscheidenden Fünfziger- und Sechzigerjahren als Mitarbeiter der Deutschen Bauakademie.

Auch wenn die repräsentativen Großbauten, die sich bis 1990 zwischen Spreeinsel und Alexanderplatz als eine Art Staatsforum der DDR präsentierten, wie aus einem Guss scheinen – ihre Planungsgeschichte verlief komplizierter. An Stelle des gesprengten Schlosses sollte zunächst ein Regierungshochhaus nach sowjetischem Vorbild entstehen. Gebaut wurde der Palast der Republik – ein Mittelding aus Kulturhaus und Parlament. Die eigentliche politische Macht hatte sich da schon längst hinter massiven Altbauwänden verschanzt. Als gültige Lösung bewertet Flierl hingegen die städtebauliche Öffnung und Verknüpfung der Spreeinsel nach Osten: „Das Schloss war aus der alten Bürgerstadt räumlich nicht erfahrbar. Das ist mit der bipolaren DDR-Planung strukturell anders geworden.“ Hans Stimmanns Planwerk Innenstadt sieht übrigens vor dem Roten Rathaus eine Bebauung vor. Mit der „Einhausung“ des Marx-Engels-Denkmals wäre die DDR-Geschichte dann auch semantisch entsorgt.

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