Kultur : Insel im Meer der Kunst

Venedigs Biennale-Direktor Bonami präsentiert sein Programm

Christina Tilmann

So ein Biennale-Direktor in Venedig ist gut beschäftigt: Nicht nur muss er die große Internationale Kunstausstellung, die seit 1999 im ehemaligen Munitionslager Arsenale gezeigt wird, sowie den ebenfalls der internationalen Kunst geöffneten Italien-Pavillon auf dem Gelände der Giardini bespielen. Auch die Vernetzung der Biennale mit der Stadt gehört zu seinen Aufgaben. Hinzu kommt der übliche Kleinzwist darüber, dass die italienische Kunst auf der Biennale nicht ausreichend vertreten sein werde. Und die Zeit, bevor am 15. Juni sich die Tore öffnen, ist für den erst 2002 ernannten Direktor wie immer viel zu knapp.

Francesco Bonami, der sein Programm nun auch in Berlin präsentierte, hat ein demokratisches Verständnis von Kunst: Zwar setzt er die „Diktatur des Betrachters“ als Arbeitstitel über sein Ausstellungskonzept, öffnet seine Hallen aber gleichzeitig für Ausstellungsmacher aus aller Welt. Ein Kurator allein könne heute nicht mehr den Überblick über alle zeitgenössischen Kunstrichtungen behalten, so der 1955 in Florenz geborene und heute am Museum of Contemporary Art in Chicago arbeitende Bonami. „Den Blick des Kurators, der alles zu einer Einheit machen kann, gibt es nicht mehr.“ Harald Szeemann, der die vergangene Biennale mit Joseph Beuys’ monumentaler Installation „Ende des XX. Jahrhunderts“ einleitete, habe damit gleichzeitig das Ende der von einem Einzelkurator verantworteten Kunstausstellung vorgeführt. Seine monumentale, auch unübersichtliche Großausstellung im Arsenale habe bewiesen, dass es unmöglich sei, als Einzelner international den Überblick zu behalten. „Wenn ich eine Ausstellung mache, kann ich mich um höchstens 40 Künstler kümmern“, so Bonami.

Weil es aber das 50. Jubiläum der Biennale ist und sie dieses Jahr besonders prächtig und mit 380 Künstlern auch besonders groß ausfallen soll, lud sich Bonami acht Ko-Kuratoren wie Catherine David, Carlos Basualdo, Gabriel Orozco und Hans-Ulrich Obrist ins Haus. Nicht als Beraterteam, wie es Okwui Enwezor bei seiner Documenta im vergangenen Jahr vorgeführt hatte, sondern als eigenständige Ausstellungsmacher: Elf Einzelausstellungen sollen unter dem Titel „Träume und Konflikte“ wie „Inseln eines Archipels“ Aspekte der zeitgenössischen Kunstwelt präsentieren und danach – kleiner Nebeneffekt – in weitere Städte Italiens wandern.

Bonami selbst wird im italienischen Pavillon in den Giardini gemeinsam mit Daniel Birnbaum, dem Rektor der Frankfurter Städel-Schule, mit „Verzögerungen und Revolutionen“ 40 Künstler von Andy Warhol bisMatthew Barney vorstellen, die verschiedene Kunstformen verbinden. Auch sechs Deutsche sind darunter. Daneben gibt es Einzelausstellungen afrikanischer, arabischer, asiatischer und osteuropäischer Kunst, Kunstformen, die in brasilianischen „Favelas“ entstanden sind, und Bereiche, die von Künstlern wie Gabriel Orozco kuratiert werden. An der „Haltestelle Utopie“ sollen 160 Künstler Plakate entwerfen. Auch das Museo Correr wird in den Kunstparcours einbezogen und zeigt „Malerei von Rauschenberg bis Murakami“, kuratiert von Bonami selbst.

Je stärker sich die internationale Kunstausstellung jedoch in Einzelteile aufspaltet, desto mehr tritt sie in Konflikt mit den in diesem Jahr 64 Länderpavillons, die das Herzstück der Biennale bilden. Julian Heynen, Kommissar des deutschen Pavillons, sieht sich nur als „ein kleiner Teil des Ganzen – ein angenehmes Gefühl“. Über sein Konzept, das die Fotokünstlerin Candida Höfer (siehe oben) und den vor sechs Jahren verstorbenen Martin Kippenberger zusammenführt, will Heynen allerdings nicht mehr verraten, als dass er eine „vage Vermutung“ habe, dass das zusammengehen könnte: „Etwas Spannung muss sein.“

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