Kultur : Instrumentenkunde

Isabel Herzfeld

Wettbewerbe, als Leistungsschau einsam erworbener spieltechnischer und nervlicher Stärken, sind eine Sache; die künstlerische Praxis, Entwicklung des flexiblen Aufeinander-Hörens, ist eine andere. Eine gute Idee also, dem gnadenlos aussiebenden ARD-Wettbewerb Kammermusikfeste folgen zu lassen. Was im idyllischen Schloss Elmau begann, ist jetzt in Berlin angekommen.

Beethoven ist Ausgangspunkt, in dem die Teilnehmer sich dem Vergleich mit der Interpretationselite stellen. Im Klaviertrio D-Dur op. Nr. 1 überzeugt Julie Albers mit weich abgerundetem Celloton und mustergültiger kammermusikalischer Aufmerksamkeit, der sich der zurückhaltend-fein agierende Geiger Gabriel Adorján ein wenig verschließt. Die Krone an Virtuosität und Klangdifferenzierung aber erringt Anna Malikova, eine der seltenen ersten Preisträgerinnen der Sparte Klavier von 1993.

In Ernest Chaussons Konzert für Klavier, Violine und Streichquartett von 1891 bleiben dafür keine Wünsche offen. Malikovas Spiel stürmt und schäumt, glitzert und leuchtet in dieser schwer parfümierten Partitur. Nicht minder souverän steuert Annette von Hehn die tristanisch-elegischen und leidenschaftlich schwärmenden Töne der Solovioline bei. Für orchestrale Fülle, samtig-seidigen Untergrund und manches entscheidende Stichwort sorgt das Leipziger Streichquartett. Weniger glücklich vor der Pause das Wagnis mit Solostücken Giacinto Scelsis. Mit noch so flexibel atmenden, bukolisch lieblichen und schrill dramatisierten Saxophontönen konnte Alexandre Doisy eine gewisse Sprödigkeit aus "Tre pezzi" und "Ixor" nicht vertreiben. Vielleicht macht der esoterische Komponist am letzten Abend bessere Figur.

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