• Intendant Professor Klaus Keil kann nach nur fünf Jahren Arbeit 211 Auszeichnungen präsentieren

Kultur : Intendant Professor Klaus Keil kann nach nur fünf Jahren Arbeit 211 Auszeichnungen präsentieren

Frank Noack

Der Name ist allgemein Begriff; allein das kann schon als Erfolg gewertet werden. Und obwohl es die Filmboard Berlin-Brandenburg GmbH erst seit dem 10. August 1994 gibt, hat ihr Intendant Professor Klaus Keil bereits den Bekanntheitsgrad eines Spitzenpolitikers. Letzteres gehört zu seiner Tätigkeit, denn eine Organisation, die den Medienstandort Berlin-Brandenburg attraktiver gestalten will, muss selbst eine gewisse Autorität ausstrahlen.

Weniger bekannt sind die konkreten Aufgaben, die Keil und seine Mitarbeiter erfüllen. Das fünfjährige Bestehen der Filmboard war jetzt ein Anlass, die wichtigsten Resultate der Arbeit zu präsentieren. Immerhin kann Keil auf die Beteiligung an 79 Filmen hinweisen, die zusammen 211 Preise erhalten haben. "Ich bin angetreten als der Filmzerstörer", erinnert er sich an die Skepsis, die seine Berufung zunächst ausgelöst hatte. In seinem wirtschaftlichen Denken ist er unbeirrbar: "Künstler sollen mehr Respekt vor öffentlichen Mitteln" zeigen. Hart, aber gerecht: Niemand kann ihm vorwerfen, so Tagesspiegel-Autor Harald Martenstein in einer Begleitbroschüre, "dass er sich von sachfremden Erwägungen leiten lässt - dass er seine Freunde besonders gut bedient, zum Beispiel, oder dass er zu einer bestimmten Seilschaft gehört. Auch nach fünf Jahren im Biotop Berlin gilt Keil immer noch als ein unabhängiger Kopf".

Dazu mag auch der markante Wahlspruch passen, den sich die Filmboard auf jeden Briefkopf schreibt: "Wir geben mehr als Geld". Nur, was ist dieses Mehr? Lange Zeit galt die Idee, man solle den Künstlern Geld geben und sie dann in Ruhe lassen. Dass auch bei der Stoffentwicklung geholfen wird, hat der Filmboard mitunter den Vorwurf eingebracht, sie würde die Kreativität des Autors einschränken - allerdings eher von Leuten, die selbst in einer kreativen Dauerkrise stecken.

Zu den Filmboard-Plänen gehört, den Script Consultant als Beruf zu etablieren, Profis auszubilden, die etwas von Dramaturgie verstehen und auch Marktchancen beurteilen können. Auch kleine schmutzige, unbequeme Film haben Marktchancen. Schade nur, dass Keil dem Drehbuch allerhöchste Bedeutung zugesteht. Schließlich waren es die originellen Bildeinfälle und die Musik, die "Lola rennt" zum großen Erfolg verhalfen, und, nun ja, zumindest die Musik bei "Comedian Harmonists".

Und wie steht es mit der Unabhängigkeit? Keil arbeitet intensiv mit Fernsehsendern und Banken zusammen, kann er da so handeln, wie er will? Eine Journalistin äußerte Zweifel daran, ob die Filmboard Leander Haußmanns Debüt "Sonnenallee" (Kinostart am 7. Oktober) auch dann mit 2 Millionen DM gefördert hätte, wenn nicht SAT 1 mit seinem Geld dabei gewesen wäre. "Wir können nicht über SAT 1 bestimmen, und SAT 1 kann nicht über uns bestimmen", lautete die Antwort. Ein wenig offen blieb damit die Frage schon. Keil scheint gern mit "jein" zu antworten. Warum auch nicht? Was zählt, sind die guten Resultate.

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