Internationale Filmfestspiele : Berlinale: Das Wetteifern der Cineasten

Am Donnerstag beginnen die 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Seit Jahren schon wetteifern die großen Festivals um Stars und Renommee. Wo steht Berlin im Vergleich zu Cannes und Venedig?

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Stars und Glamour. Am Donnerstag beginnt die Berlinale.
Stars und Glamour. Am Donnerstag beginnt die Berlinale.Foto: dpa

Die Berlinale startet am Donnerstag, im Mai folgt das Filmfestival im französischen Cannes, Ende August wird der rote Teppich im italienischen Venedig ausgerollt. Es gibt neben ihnen viele andere Festivals, doch diese drei sind die bedeutendsten der Welt. Sie beargwöhnen einander, konkurrieren miteinander und haben zugleich alle ihre Eigenheiten. Ein Vergleich der drei Großen lohnt.

Was macht die Berlinale unverwechselbar?

Bei weltweit Hunderten, wenn nicht gar Tausenden von Filmfestivals pro Jahr Alleinstellungsmerkmale zu finden, ist gar nicht so einfach. Nicht mal an der schmalen Spitze. Eines allerdings hat die Berlinale allen voraus: Sie ist das weltgrößte Publikumsfilmfestival mit angeschlossenem Wettbewerb. Im ersten Dezennium seiner Regentschaft hat Festivaldirektor Dieter Kosslick die Berlinale zum alle Generationen umfassenden Riesen-Filmereignis ausgebaut. Der Reihe nach: Die Allerkleinsten sitzen zwar noch nicht vor der Leinwand, werden aber, damit ihre Eltern Filme gucken können, im Berlinale-Kindergarten betreut. In den beiden Generation-Sektionen gibt es Filme für Kinder und Jugendliche, im Talent Campus trifft sich der Filmemacher-Nachwuchs. In der Reihe Perspektive Deutsches Kino präsentieren hiesige Filmemacher ihre Erstlinge. In der Retrospektive wird Filmkunst pur, im Kulinarischen Kino zusammen mit den Kreationen von Spitzenköchen genossen, und im immer weiter wachsenden European Film Market wird eifrig mit der Ware Film gehandelt. Nicht zu vergessen die traditionellen Hauptreihen Wettbewerb, Forum und Panorama.

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Berlinale Ticketverkauf
Berlinale Ticketverkauf

All dies verschmilzt in Berlin zu einem kreativ-konsumtiv-merkantilen Gesamtkunstwerk, das alljährlich Zehntausende anzieht. Die Metropole im Hintergrund tut ein Übriges, vor allem im Blick auf die großen Festivalkonkurrenten Cannes und Venedig. Das südfranzösische Städtchen mag Sonne und Meer haben, döst aber, wenn nicht im Mai Filmfest ist, winters als Rentner- und sommers als Touristenparadies vor sich hin. Das norditalienische Venedig protzt ebenfalls mit Sonne und Meer, aber das Festival auf dem Lido nutzt – in einer seit Jahren bejammernswerten Baustellensituation – im September nur mehr die Kulisse der touristisch ganzjährig überfluteten und kaum mehr originär bewohnten Lagunenstadt.

Die Filme der Berlinale 2012
In der Fortsetzung des 2006 erschienenen Films "Don" spielt Bollywoodstar Shah Rukh Khan die Rolle eines asiatischen Drogenbosses, welcher seine Geschäfte nun auch auf Europa ausweiten will. Gedreht wurde der Film von Regisseur Farhan Akthar übrigens zu Teilen in Berlin. Am 11.2.2012 wird er auf nun am Potsdamer Platz vorgestellt. (Indien, D, 144 Min, R: Farhan Akthar, D: Shah Rukh Khan, Priyanka Chopra, Om Puri)Weitere Bilder anzeigen
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06.02.2012 19:24In der Fortsetzung des 2006 erschienenen Films "Don" spielt Bollywoodstar Shah Rukh Khan die Rolle eines asiatischen Drogenbosses,...

Dennoch: Es gibt, mit der traditionellen Eiseskälte im Februar, auch ein unschönes Alleinstellungsmerkmal der Berlinale – und das seit nunmehr 34 Jahren, als sie von Juni/Juli in den Februar umzog. Muss aber so sein, wegen des zeitlichen Abstands zu Cannes und Venedig. Wollte man gar eine saubere Dreimonatspause zwischen den Großfestivals herstellen, wäre ein Berlinale-Termin Mitte Januar ideal. Aber wer will schon für Tausende von Profis, die sich auf solch ein Mammutereignis vorbereiten müssen, Weihnachten und die Erholungsstille zwischen den Jahren abschaffen?

Wenn die Berlinale so attraktiv ist: Warum kommen weniger Stars hierher als nach Cannes und Venedig?

Mittelmeer statt Moabit, Lagune statt Landwehrkanal: Klar, Kulisse und Klima sind ein wichtiger Grund. Der Schwund an Hollywoodstars aber, ein ernstes Problem des Festivals, liegt überwiegend an der Vorverlegung der Oscar-Verleihung um mehrere Wochen, erstmals im Jahr 2004. Vorher nutzten die Studios die Berlinale rund um die Verkündung der Oscar-Nominierungen als perfekten Werbeauftritt. Heute müssen die Stars der bereits vor der Berlinale nominierten Filme bei diversen Oscar-Dinners in L. A. und anderswo die alles entscheidenden Academy-Mitglieder bei Laune halten. So gilt längst Venedig im Herbst als ideale Startrampe für oscarverdächtiges Filmgut, gemeinsam mit dem unmittelbar darauf folgenden Festival in der kanadischen Millionenmetropole Toronto. Cannes wiederum hat mit seinen weltberühmten Stufen, die in den zwar hässlichen „Bunker“, aber schnurstracks in den Weltruhm führen, unangefochten eigenen Star-Appeal. Jeder weiß: No-Shows von eingeladenen Filmprotagonisten hätten dort, diplomatisch formuliert, deren Nichtbeachtung auf Restlebenszeit zur Folge.

Berlin weiß sich zu helfen. Dieses Jahr versammelt es etwa Meryl Streep, Angelina Jolie, Shah Rukh Khan und Robert „Twilight“ Pattinson für Auftritte außerhalb des Kern-Wettbewerbsprogramms – und wer mag dann immer streng fragen, ob auch die Qualität ihrer Filme in angemessenem Verhältnis zum PromiRummel steht. Andererseits schmücken deutsche, vor allem durch die Berlinale gemachte Stars den Wettbewerb: diesmal etwa Nina Hoss, Jürgen Vogel, Lars Eidinger und Corinna Harfouch. Wem das nicht genug ist: Das ganze Jahr feiern Großverleiher rentabler Titel ihre Europa- oder Deutschlandpremieren mit Glanz und Allotria in Berlin. Allerdings abseits der am hellsten leuchtenden Scheinwerfer – abseits der Berlinale.

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