• Internationaler Frauentag: Besser ausgebildet, häufiger arbeitslos - Dabei gäbe es große Chancen in der IT-Branche

Kultur : Internationaler Frauentag: Besser ausgebildet, häufiger arbeitslos - Dabei gäbe es große Chancen in der IT-Branche

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Wenn Fachkräfte fehlen, erinnert man sich der Frauen. Frauen sind häufig besser ausgebildet und haben höhere Abschlüsse als die männliche Konkurrenz. Daran muss Jörg Harms, Vizepräsident des Branchenverbandes der Technologie-Unternehmen, gedacht haben, als er sich kürzlich dafür aussprach, die Arbeitsbedingungen für Frauen zu verbessern.

Denn Experten des European Information Technology Observatory hatten zuvor eine düstere Prognose gewagt: Schon in zwei Jahren könnten 720 000 offene Stellen in der deutschen IT-Branche nicht besetzt werden. Schon heute führe Deutschland die Negativ-Statistik an und drohe, ins Hintertreffen zu geraten. In der Debatte, die vor noch nicht einmal einem Jahr von der Green-Card-Offensive der Bundesregierung dominiert wurde, erklingen nun auch andere Töne: Frauen sollen die Misere richten.

Doch die Statisiken der Bundesanstalt für Arbeit sprechen eine andere Sprache: Sie belegen, dass es Frauen auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben, einen Fuß in die Tür zu bekommen. An der Ausbildung jedenfalls kann das nicht liegen. Mehr Mädchen als Jungen machen heute Abitur, und auch an den Universitäten steigt der Frauenanteil stetig.

Grund für die Probleme der Frauen dürfte schon eher die häufig noch klassische Rollenverteilung innerhalb der Familien sein. Dass Mütter in den meisten Fällen die Kinder hüten, während die immer noch rund ein Viertel mehr verdienenden Väter das Geld nach Hause tragen, hat zur Folge, dass im Westen nur etwa 55 Prozent der Frauen berufstätig sind. Zwar stieg hier ihre Zahl vor allem in Dienstleistungsberufen an, doch der Abstand zu den Männern ist immer noch beträchtlich; von ihnen gehen 73 Prozent einem Beruf nach.

Sonderfall Osten

Im Osten Deutschlands stellt sich die Lage anders dar. Dort, wo zu DDR-Zeiten durch Kinderhorte Frauen der Einstieg ins Berufsleben erleichtert wurde, besitzt Arbeit nach wie vor einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. In Ostdeutschland würden 73,5 Prozent aller Frauen gerne arbeiten; das sind gut zehn Prozent mehr als in den alten Bundesländern. Doch fielen seit 1991 über 730 000 Frauenarbeitsplätze dem wirtschaftlichen Kahlschlag zum Opfer. Nur noch 56 Prozent der ostdeutschen Frauen können somit einer Beschäftigug nachgehen. Während im Westen Deutschlands die Arbeitslosigkeit der Frauen sogar unter jener der Männer liegt, sind Frauen im Osten stärker davon betroffen als Männer.

Vollzeitarbeit von Frauen ist hier wie dort rückläufig. Teilzeitarbeit, die Frauen - oder eben auch Männern - ermöglichen soll, sich um Familie und Kinder zu kümmern, setzt sich dagegen im Osten langsamer durch als im Westen. In Ostdeutschland bieten weit weniger Betriebe Teilzeitarbeit an. Inzwischen liegt der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen bundesweit bei 22 Prozent. Unter Männern haben nur drei von Hundert einen Teilzeitjob. Groß ist auch der Anteil der Frauen unter den geringfügig Beschäftigten; hier machen sie zwei Drittel aus.

Im Bestreben um Chancengleichheit von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt kann sich die Bilanz der Bundesanstalt für Arbeit sehen lassen: Die Zahl der arbeitslosen jungen Frauen konnte vor allem im Osten gesenkt werden. Weniger Erfolg ist bisher im Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit zu verzeichnen. Nach wie vor sind Frauen wesentlich länger arbeitslos als Männer.

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