Kultur : Internationalität ist nicht das höchste Ziel

KLAUS HAMMER

Auf dem 7.Kunstmarkt Dresden wird sich auch Landesverband Berliner Galerien präsentierenVON KLAUS HAMMER1992 als sächsische Grafik-Messe ins Leben gerufen, hat sich der Dresdner Kunstmarkt in seiner Spezialisierung auf Papierarbeiten - neben Druckgrafik Zeichnungen, Collagen, Künstlerbücher, auch Fotografien - als einzige Messe dieser Art und überhaupt in den neuen Bundesländern einen guten Ruf erworben.Nicht Internationalität wie auf den großen Kunstmessen in Köln, Frankfurt/Main und Basel gilt als Aushängeschild, der sächsische Raum und die neuen Bundesländer bleiben der Schwerpunkt.Dabei hat man sich durchaus auch Teilnehmern aus den alten Bundesländern oder aus dem benachbarten Ausland geöffnet."Aber wir wollen nicht beliebig wachsen", sagt Anita Kaegi, verantwortlich für Projektsteuerung und Beratung.So bemüht man sich intensiv um Galerien, die man gern in Dresden haben will, und hat auch schon mal den einen oder anderen abgelehnt, der die Ansprüche nicht zu erfüllen schien.Wenn nun vom 21.bis 24.Mai der Kunstmarkt zum siebten Mal stattfindet, werden die Inhalte die gleichen bleiben.Auch die Fläche kann in den Ausstellungshallen am Straßburger Platz nicht wesentlich erweitert werden, aber da kleine Stände nur schwer eine großzügige Präsentation bieten können, hat man diesmal den Galeristen, die wenigstens 20 Quadratmeter bestellten, 7 Quadratmeter kostenlos dazugegeben.Die überregionalen Aussteller bringen auch neue Besucher mit nach Dresden.Im vergangenen Jahr waren es 8000, in diesem Jahr hofft man auf 10 000 Besucher.Der Berliner Grafiker und Maler Mark Lammert erhält den diesjährigen Grafikpreis der Vereinigten Zigarettenfabriken Dresden GmbH.In einer Sonderschau werden grafische Arbeiten von ihm gezeigt.Unter dem Titel "Geschlossene Gesellschaft" präsentiert sich zudem die größte grafische Sammlung der Schweiz, die der ETH Zürich, mit figurativen Zeichnungen, Fotografien und Grafiken von elf Schweizer Künstlern aus den letzten zwanzig Jahren in besonderen Werkkomplexen.Der 1996 gegründete Landesverband Berliner Galerien e.V., der inzwischen über 40 Mitglieder zählt, veranstaltet vom 4.bis 6.Juni in allen Berliner Mitgliedsgalerien das Projekt "Rund um die Kunst" mit den Schwerpunkten Kunst am Bau, internationale Kunst aus Berlin und innovative Tendenzen aus Berlin.Der Kunstmarkt Dresden ist für den Berliner Verband, wie sein Vorstandsmitglied Rafael Vostell sagt, geradezu der ideale Veranstaltungsort, diese neuen Projekte vorzustellen.An einem Teminal des Standes des Verbandes können die Dresdner Besucher die Mitgliedsgalerien im Internet virtuell besuchen.Auch der Katalog des Verbandes, gestaltet als Almanach der Berliner Galerien, wird in Dresden erstmals vorgestellt.13 Berliner Galerien, ebenso viele wie aus Dresden, nehmen am diesjährigen Kunstmarkt teil.Man schätzt die fast familiäre Atmosphäre, die Übersichtlichkeit des Angebotes und hofft, viele Freunde der Kunst und Sammler aus den neuen Bundesländern kennenzulernen.Für den Galeristen Georg Nothelfer ist die Teilnahme schon Tradition.Er war von Anfang an von dem Erfolg der Dresdner Kunstmesse überzeugt.Auch wenn zunächst von einem wirtschaftlichen Erfolg nicht die Rede sein konnte, haben die Galerien in den letzten Jahren wenigstens kostendeckend, einzelne bereits mit Gewinnnen arbeiten können.Für Bernd Heise von der Berliner Galerie Refugium, der die Dresdner Glöckner, Wigand und Jürgen Schön und eine neue Grafik-Mappe mit Plenkers "Dresdner Elegien" präsentieren wird, ist Dresden vom Preis her noch so günstig, daß man "in keinem Fall auf Sand setzen muß".Im letzten Jahr hat er erstmals Gewinn gemacht.Auch Hannelore Hintersdorf (Galerie am Strausberger Platz) setzt mit ihrem Angebot vornehmlich Berliner wie Dresdner Künstler im Grenzbereich zwischen Figuration und Abstraktion auf Vielfalt und Breite.Auffällig ist, daß sich das Dresdner Kunstpublikum nach wie vor besonders am Bekannten und Traditionellen orientiert.So ist es auch nicht verwunderlich, daß sich die auswärtigen Galeristen einen engeren Kontakt zu den Dresdner Museumsleuten wünschen, die meist anonym an ihren Ständen vorbeigehen.Ein Treffen mit den Museumsleuten wäre also überlegenswert.Jedenfalls, kein anderer Ort in den neuen Bundesländern ist für den Kunstmarkt geeigneter als die alte Kunststadt Dresden.Mit ihrer langen bildungsbürgerlichen Tradition trägt sie eine solche Messe ohne alle Aufgeregtheiten mit einer gewissen stoischen Gelassenheit.Aber hierin sollte auch die Aufgabe bestehen: Den Bereich des offiziellen Kunstverständnisses zu erweitern, indem man den neuen visuellen Tatbeständen den Weg zu einem Kunstpublikum ebnet, das immer noch mehr auf Vertrautes und Bewährtes als auf Innovatorisches und Experimentelles setzt. Kunstmarkt Dresden, Straßburger Platz, vom 21.-24.Mai, tgl.11-19 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben