Internetplattform : Projekt sammelt über 11.000 Fragen

"Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt bleibt dumm!" heißt es im berühmten Titelsong der TV-Serie "Sesamstraße". Aber auch Erwachsene haben Fragen, die sie selbst nicht beantworten können.

Berlin - Über 11.000 Fragen hat ein Team um den Berliner Filmemacher Ralf Schmerberg, Mitinitiator des gemeinnützigen, nichtstaatlichen Projektes "dropping knowledge" (zu Deutsch: Wissen abwerfen) in den vergangenen drei Jahren weltweit gesammelt. 100 davon sollen am kommenden Samstag von namhaften Experten auf dem Bebelplatz in Mitte öffentlich beantwortet werden.

"Ist Freiheit eine Utopie?" will etwa der 18 Jahre alte Felix Firsbach aus Sankt Augustin wissen und der 23 Jahre alte Stephan Dörner aus Düsseldorf fragt: "Ist es o.k., dass die 356 reichsten Familien zusammen mehr als 40 Prozent des Vermögens der gesamten Menschheit besitzen?"

Der größte Runde Tisch der Welt

Mittels Internetabstimmung werden aus dem täglich wachsenden Pool 100 Fragen ausgewählt, um sie bei einer spektakulären Aktion unter der Schirmherrschaft von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) beantworten zu lassen. Dazu wird auf dem Bebelplatz der mit 38 Metern Durchmesser nach Veranstalterangaben größte Runde Tisch der Welt, der "Table of Free Voices" aufgebaut, an dem 112 Intellektuelle, Wissenschaftler, Aktivisten und Künstler Platz nehmen werden.

Die Zusammenstellung des Plenums sei ein Prozess über Jahre gewesen, erläutert Schmerberg. Ausgewählt wurde schließlich eine möglichst breitgefächerte Mischung. Darunter befinden sich beispielsweise Filmregisseure wie Wim Wenders und Terry Gilliam, der deutsche Physiker und Träger des Alternativen Nobelpreises Hans-Peter Dürr, der Musiker Giora Feidmann, die Designerin Vivienne Westwood und die Menschenrechtlerin Monira Rahman aus Bangladesh.

Prominente Teilnehmer

US-Schauspieler Willem Dafoe und die nigerianische Frauenrechtlerin Hafsat Abiola werden die Fragen vortragen, die 112 Gäste parallel ihre Antworten in 112 Kameras sprechen. Drei Minuten bleibt ihnen jeweils für ihre Lösungsvorschläge, Gedanken und Visionen - ob es eine Welt ohne Macht geben kann, ob man Mörder zur Strafe ermorden darf oder ob der Hurrikan Katrina tatsächlich das unvermeidbare Resultat von globaler Erwärmung war.

So sollen 11.200 Antworten auf 672 Stunden Videomaterial festgehalten werden - Grundlage für eine Internet-Datenbank und Plattform des sozialen Wandels, die von jedermann frei benutzt werden kann. Vernetzt werden die Antworten nach einer neuartigen Methode, die am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz entwickelt wurde.

Schmerberg: Menschen sind bereit umzudenken

Denn die große internationale Fragestunde am 9. September soll nur der Anfang dieses viel weitergehend gedachten Projektes sein. Ralf Schmerberg sieht die Zeit für eine globale Diskussion gekommen: "Die Menschen auf der ganzen Welt sind bereit, umzudenken."

Finanziert wird das fünf Millionen Euro teure Projekt weitgehend durch Spenden. Das Startkapital kommt von der amerikanischen Wallace Foundation. Hauptsponsor ist der Versicherungskonzern Allianz, der sein Image aufzubessern will. Fraglich daher, ob auch diese eingereichte Frage zu den 100 zur Beantwortung Ausgewählten zählen wird: "Warum darf der Vorstand der Allianz 5000 Menschen entlassen, obwohl der Konzern sechs Milliarden Gewinn in diesem Jahr erwartet - soviel, wie Großbritannien und Frankreich zusammen in den EU-Haushalt 2004 einzahlten?". (tso/ddp)

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