Interview : "Acht Jahre Gummistiefel sind genug"

Der Neue: Peter F. Raddatz spricht mit dem Tagesspiegel über die Baustelle Köln und Berlins Opernstiftung.

Raddatz
Peter F. Raddatz -Foto: Ullstein

Herr Raddatz, dürfen wir Ihnen zu Ihrem neuen Amt als Generaldirektor der Berliner Opernstiftung gratulieren?



Ich finde schon! Ich freue mich auf diese Aufgabe und auf Berlin. Das wird nicht einfach, aber das ist es heutzutage ja nirgends mehr.

Ist es für Sie richtig, jetzt die Baustelle zu wechseln? Köln plant immerhin gerade ein neues Opernhaus . . .

Ich habe acht Jahre an diesem Projekt mit herumgebastelt, mein ganzes Herzblut ist da hineingeflossen. Die notwendigen politischen Beschlüsse sind gefasst, man kann konkret mit der Planung beginnen. Das heißt, meine Hauptarbeit ist hier getan. Insofern ist es kein schlechter Zeitpunkt zu sagen, jetzt soll hier noch einmal neue Energie fließen. Ich für mich brauche das jedenfalls.

Sie wollen unbedingt weg vom Rhein?


Acht Jahre Gummistiefel sind genug, ja. Mein Vertrag hier geht bis 2012, und ich habe mir von Anfang an ausbedungen, gehen zu dürfen, wenn ich gehen will.

Wann waren Sie in Berlin zum letzten Mal in der Oper?

In der Staatsoper im „Onegin“-Ballett und in der Komischen Oper in „Kiss me Kate“, beides im vergangenen Herbst. Nur in der Deutschen Oper bin ich schon etwas länger nicht gewesen.

Wie hat sich aus Kölner Sicht die Berliner Opernsituation in den vergangenen Jahren dargestellt?


Schwer zu sagen, so aus der Distanz. Vielleicht hatte ich den Eindruck, dass die Entwicklung ein bisschen holprig vor sich ging. Sicher hat man sich als Theaterschaffender auch gefragt, wofür ist die Stiftung überhaupt notwendig. Das habe ich inzwischen verstanden: Sie war 2004 der erste Rettungsschirm. Sie hat den Bestand gesichert, sie hat dafür gesorgt, dass wir auch heute drei Opernhäuser in der Hauptstadt haben. Außerdem ist da ja noch das Staatsballett, und die Zentralwerkstätten werden auch gebaut. Das sind alles Leistungen der Stiftung.

Könnte es sein, dass sich ihr Sinn damit erschöpft hat? Daniel Barenboim zum Beispiel, der Generalmusikdirektor der Staatsoper, wird nicht müde zu betonen, dass er die Stiftung nicht braucht.

Darüber ließe sich trefflich streiten. Aber wenn man ernst nimmt, was man mit der Stiftung erreichen will, dann ist das schon eine sinnvolle Einrichtung. Auf die Umsetzung kommt es an, und dafür ist die Unterstützung der Kulturverwaltung wie die des Regierenden Bürgermeisters unerlässlich.

Stefan Rosinski besaß diese Unterstützung zuletzt nicht mehr. Sie sind der dritte Generaldirektor in vier Jahren. Riecht das nicht ein bisschen nach Verschleiß?

Ich betrachte mich als Nachfolger von Michael Schindhelm, der weggegangen ist, weil er ein tolles Angebot aus der Wüste hatte. Herr Rosinski, der das Amt kommissarisch übernommen hat, kehrt nun auf seinen alten Posten in der Bühnenservice GmbH zurück. Solche Friktionen sind in Übergangssituationen nichts Ungewöhnliches. Das hatte in meinen Augen auch viel mit der ungenügenden Finanzausstattung der Stiftung zu tun. Diese wurde nun repariert, die Opernhäuser haben ihre auskömmlichen Budgets, insofern sind die Bedingungen nicht schlecht. Ich möchte mithelfen, dass das Geld, das uns vom Zuwendungsgeber zur Verfügung gestellt wird, nicht in irgendwelchen Seitenstollen versickert, sondern tatsächlich auf der Bühne ankommt.

Wo wollen Sie als Erstes anpacken?

Ich will erst einmal die Menschen kennenlernen, mit denen ich es zu tun habe. Das heißt, ich werde ab Februar öfter in Berlin sein. Ich bin niemand, der gerne lospoltert, das heißt, ich werde mir die einzelnen Häuser genau ansehen, deren Umfeld, die Ist-Zustände analysieren: Was sagen mir Spielpläne, Budgets, Personal-, Einnahme-, Besucherstrukturen? Wenn man das alles gemacht hat, dann wird man Ziele für die einzelnen Häuser formulieren. Und dann können wir anfangen zu arbeiten.

Das heißt, Sie gehen noch einmal zu Adam und Eva zurück?


Ich würde das alles gerne für mich selber machen, ja. Wichtig ist doch, dass die einzelnen Häuser zu einer eigenen Identität kommen, ein Gesicht kriegen – da, wo sie es noch nicht haben. Natürlich erwarten mich auch moderierende Aufgaben, der Abstimmungsbedarf zwischen den Häusern wird ja nicht kleiner. Darauf freue ich mich. Jürgen Flimm etwa kenne ich noch aus unserer gemeinsamen Hamburger Zeit, er damals am Thalia Theater, ich am Schauspielhaus.

Sie gehen davon aus, dass Flimm als Staatsopernintendant nach Berlin kommt?

Natürlich, das ist doch alles nur Geplänkel. Die Salzburger finden rechtzeitig einen Nachfolger, und dann wird alles gut.


Das Gespräch führte Christine Lemke- Matwey.

Ab 1. September soll Peter F. Raddatz die Berliner Opernstiftung als Generaldirektor leiten. Derzeit ist der 56-Jährige Geschäftsführender Intendant der Bühnen der Stadt Köln.

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