INTERVIEW : „Meine Religion ist der Genuss“

„Persepolis“ wird gerne als autobiografischer Comicroman bezeichnet? Wie genau ist Ihr Leben wiedergegeben?

Als die Bücher herauskamen sagten Leute zu mir, sie wüssten alles über mich. Aber wenn ich 16 Jahre meines Lebens auf 400 Comicseiten unterbringen könnte, dann würde das wohl bedeuten, dass ich ein ziemlich mieses Leben hatte. Es gibt bestimmte Momente, die ich hineingepackt habe. Man darf nicht vergessen, dass es darum ging, eine Geschichte zu erzählen.

Trotzdem ähnelt ihr Lebenslauf dem Ihrer Comicheldin ziemlich.

Klar, jedoch rede ich nicht so sehr über mich selbst, sondern nutzte mich, um über das zu reden, was um mich herum ist. Und es gibt natürlich sehr viele Dinge aus meinem echten Leben, die ich versteckt untergebracht habe. Menschen mit veränderten Namen und verändertem Aussehen. Der Film handelt wie die Bücher eher von Eindrücken und Gefühlen. Ich habe keine Dokumentation über mein Leben gemacht.

„Persepolis“ verbindet sehr einfache Zeichnungen mit einer ungewöhnlich hohen Zahl an Figuren. Es gibt 600 Charaktere.

Erinnern Sie mich nicht daran! Das war manchmal wirklich sehr schwierig, sich wieder mit nur ein paar Pinselstrichen einen neuen Charakter einfallen lassen zu müssen, der irgendwo im Hintergrund über die Straße geht. In einem normalen Trickfilm hat man einen Hund, eine Katze, einen Hasen, vielleicht noch ein paar Zwerge und fertig. Wir haben einen echten Spielfilm gemacht, der nun mal gezeichnet ist. Das ist der wichtigste Unterschied. Bei einem echten Film können keine Menschen über die Straße laufen, die alle gleich aussehen.

Ihr Film wirft auch politische Fragen auf, aber Sie selbst bezeichnen sich als unpolitisch.

Meine Religion ist der Genuss. Ich bin gegen niemanden. Ich bin nur gegen Idiotie, Ignoranz und gegen die Fanatiker der Welt. Aber nicht jeder ist ein Fanatiker. Sie sind

sogar ziemlich selten. Das sollten wir nicht vergessen. Das Problem ist, dass sie einen ziemlichen Krach veranstalten. Sie schreien während intelligente Leute ihren Mund halten und versuchen, nachzudenken. AlSo

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