Kultur : Interview mit der Leiterin Renate Zylla

Frau Zylla, das Kinderfilmfest der Berlinale zeigt diesmal 12 Spielfilme, unter anderem aus Kasachstan, Japan und dem Iran. Soll diese Auswahl repräsentativ für die Bandbreite heutiger Kinderfilme sein?

Nein, Ausschlag gebend war nur die filmische Qualität. Unter den etwa 200 Filmen, die ich das vergangene Jahr über gesichtet habe, sind diese zwölf einfach die besten. Welcher Film dann mit dem Gläsernen Bären prämiert wird, ist letztlich gar nicht entscheidend, das Gütesiegel und Signal an die Verleiher ist das "Selected for Berlin".

Das heißt, das Berlinale-Siegel hat auch bei Kinderfilmen internationale Bedeutung?

Ja. Schließlich ist die Berlinale das einzige A-Festival weltweit, das die Kinderfilme ins Programm aufgenommen hat. Das stößt im Ausland sogar auf noch mehr Resonanz als in Deutschland. Den beiden belgischen Beiträgen dieses Jahres, dem Abenteuerfilm "Blinker" und der Pubertätsgeschichte "Der Mann aus Stahl", hat die Berlinale-Nominierung schon jetzt in ihrem Heimatland erhebliche Publizität gebracht.

Dennoch sieht man die wenigsten Berlinale-Kinderfilme anschließend im Kino - von den 16 Filmen des letzten Jahres haben es drei geschafft.

Warten Sie mal ab. Bis ein Kinderfilm es in den Verleih schafft, dauert es im Schnitt zwei Jahre. Außerdem spielt das Fernsehen, das einen erheblichen Teil der Filme koproduziert, hier eine größere Rolle. Aber es stimmt, dass die deutschen Verleiher besonders risikoscheu sind. Anders als zum Beispiel die Japaner, die im letzten Jahr einen schwierigen Film wie den iranischen Beitrag "Mutterliebe" vom Fleck weg eingekauft haben.

Diesmal sind sogar zwei iranische Filme dabei.

Ja, und "Colour Of Paradise", ein Film über einen achtjährigen blinden Jungen, ist eine besondere Entdeckung - ein großartiger Film.

Haben sich die Themen der Kinderfilme in den letzten Jahren geändert?

Nein. Die Lebensumwelten der Kinder bleiben ja auch die gleichen. Allerdings merkt man, dass die Modelle des Zusammenlebens heute vielfältiger sind - Kinder mit allein erziehenden Müttern sind keine Seltenheit mehr. Die Hauptfigur unseres Eröffnungsfilms "Tsatsiki, Mama und der Polizist" aus Schweden zum Beispiel ist das Ergebnis eines Urlaubsflirts und wächst allein bei seiner Mutter, einer Rockmusikerin auf.

Renate Zylla ist Leiterin des Kinderfilmfests. Das Interview führte Jörg Königsdorf.

0 Kommentare

Neuester Kommentar