"Er war ein zärtlicher Vater. Güte war seine Natur."

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Interview mit John Carter Cash : „Ich trage noch sein Hemd“
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Im Rampenlicht. John Carter Cash auf dem Arm seines Vaters Johnny Cash.
Im Rampenlicht. John Carter Cash auf dem Arm seines Vaters Johnny Cash.Foto: Jim Marshall Photography

Wie war das Verhältnis zwischen Ihnen und Johnny damals?

In den 80ern? Enger als jemals zuvor. Wir sind Fischen gegangen, zusammen von Stadt zu Stadt gereist. Auch nach Berlin übrigens, wir waren mindestens einmal pro Jahr in Deutschland. Er war mein bester Freund. Die Songs auf „Out Among The Stars“ bringen die Erinnerung an ihn zurück. Ich kann wieder mit meinem Freund zusammen sein.

Konnten Sie zwischen der öffentlichen Figur und dem Vater trennen?

Mein Dad pflegte zu sagen: es gibt Johnny Cash, und es gibt J.R. (sein Geburtsname, d. Red). Und manchmal kämpften die beiden miteinander. Manchmal fühlte es sich an, als ob ich mit dem Mann auf der Bühne reden würde. Aber er fand immer dahin zurück, ein zärtlicher Vater zu sein. Güte war seine Natur.

Was haben Sie an ihm bewundert?

Seine Beharrlichkeit. Sein Durchhaltevermögen. Nehmen Sie die „American Recordings“. Nicht nur hat er die Aufnahmen durchgestanden, obwohl er bereits von schwerer Krankheit gezeichnet war. Er hat das schönste Werk seines ganzen Lebens geschaffen. Das ist Hingabe. Der gleiche Spirit, mit dem George Washington den Delaware durchquert hat.

Haben Sie ihm nie Vorwürfe gemacht, als Sie selber drogensüchtig wurden?

Doch. Es gab Zeiten, in denen wir uns voller Wut gegenüberstanden. Besonders, als ich 23 war und mit meinen eigenen Dämonen zu ringen hatte. Aber das war auch die Raserei des Heranwachsens. Mein Dad war nicht verantwortlich für meine Schmerzen.

Sie haben über Ihren Vater das „House Of Cash“ veröffentlicht, das viele persönliche Aufzeichnungen und Fotos enthält. Warum geben Sie das preis?

Um den Menschen den Mann nahe zu bringen, den ich als Vater kannte. Wissen Sie, als meine Mutter starb, gab mein Vater auf der Beerdigung das Mikrofon frei. Ich sagte, bist du verrückt? Er entgegnete nur, er wolle, dass jeder über sie sprechen könne. Die Beerdigung dauerte und dauerte, Fans kamen nach vorn. Das war Dads Wunsch. Sie hat ihr Leben als offenes Buch gelebt. Er auch. Das will ich weitertragen.

Sie sind selbst ein mehrfach Grammy-prämierter Musiker und Produzent. Grämt es Sie nie, im Schatten des berühmten Vaters zu stehen?

Ich muss mich in meiner eigenen Haut wohlfühlen. Und ich muss andere Dinge tun, als das Erbe von Johnny Cash zu wahren. Ich brauche eine Balance. Es gab Zeiten in meinem Erwachsenenleben, in denen ich mit meiner Identität gerungen habe, nicht wusste, wer ich bin. Aber wenn ich es nicht herausgefunden hätte, würde ich jetzt nicht hier sitzen und über meinen Vater reden.

Was ist das wertvollste Erinnerungsstück an ihn, das Sie besitzen?

Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Mein Vater hatte einen gebrauchten Range Rover. Der ging nach seinem Tod in den Besitz von jemand anders über, aber ich habe ihn aufgetrieben und zurückgekauft. Den halte ich in Ehren. Natürlich gibt es noch andere Sachen. Seine Bücher. Seine Hemden. Ich trage eins davon! Es riecht immer noch nach ihm.

„Out Among the Stars“ ist bei Columbia/Sony Records erschienen. Das Interview führte Patrick Wildermann.

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