Interview : "Unsere Mutter war erleichtert, dass wir Talent haben"

Familienbande: Die Musiker Martha und Rufus Wainwright sprechen im Interview über die Konzertdoku "Sing Me The Songs That Say I Love You" zu Ehren ihrer Mutter.

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Die Geschwister und Musiker Rufus und Martha Wainwright stellen bei der Berlinale einen Film über ihre verstorbene Mutter vor.
Die Geschwister und Musiker Rufus und Martha Wainwright stellen bei der Berlinale einen Film über ihre verstorbene Mutter vor.Foto: Thilo Rückeis

Mrs. und Mr. Wainwright, Sie haben beide schon viele Konzerte gegeben, doch das Memorial-Konzert mit den Liedern Ihrer 2010 an Krebs verstorbenen Mutter, das in „Sing Me The Songs That Say I Love You“ dokumentiert wird, war sicher eine vollkommen andere Erfahrung. Wie haben Sie sich auf der Bühne gefühlt?

MARTHA WAINWRIGHT: Es war zum Glück schon das zweite Tribute-Konzert, das wir gegeben haben. Das erste fand in London statt, nur wenige Monaten nach ihrem Tod. Für mich war es völlig surreal. Ich erinnere mich kaum daran. Bei unserem New Yorker Aufritt wussten wir beide und auch alle Gastmusiker sehr genau, was wir wollten: Kates Musik würdigen, ihre Songs so gut wie möglich repräsentieren. Natürlich war es auch tragisch. Rufus hat während des Konzerte viel geweint, ich erst gegen Ende.

RUFUS WAINWRIGHT: Die erste Show zu filmen, wäre zu viel gewesen: Heulende Leute, die Songs nicht zu Ende bringen und von der Bühne laufen. In New York – über ein Jahr nach Kates Tod – war es einfacher für uns. Dennoch lag unter allem noch immer ein Ozean der Gefühle, eine tiefe Traurigkeit. Wir hatten genau die richtige Mischung aus Tragik und Performance-Fähigkeit, die für den Film nötig war.

Auf dem Teppich, der die Welt bedeutet
Auf der 63. Berlinale laufen sie alle über diese Ausrollware: Den Roten Teppich.Weitere Bilder anzeigen
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12.02.2013 18:38Auf der 63. Berlinale laufen sie alle über diese Ausrollware: Den Roten Teppich.

Hatten Sie das Gefühl, Ihre Mutter sei in irgendeiner Weise während des Konzertes präsent gewesen?
RUFUS WAINWRIGHT: Sie war überall, man konnte sie den ganzen Abend spüren. Hinzu kommt: New York hat unserer Mutter viel bedeutet. Sie kam als junge Frau aus Montréal in die Stadt und entdeckte die neue Singer-Songwriter-Szene, Partys, Glamour. Sie verlebte dort ihre glücklichste Zeit.

Einer der intensivsten Konzertmomente ist, wenn Sie den Song „Proserpina“ singen, das letzte Stück, das Kate McGarrigle geschrieben hat. Ihre Schwester Anna erzählt im Film, dass der Song auf ihrem Computer gefunden wurde. Haben Sie ihn erst posthum zum ersten Mal gehört?
MARTHA WAINWRIGHT: Nein, sie schrieb daran in den Monaten vor ihrem letzten großen Auftritt in der Londoner Royal Albert Hall. Sie arbeitete langsam, weil es ihr schon sehr schlecht ging, und sie schickte uns den Song per Mail. Er hatte dieses gespenstisch-intensive (singt) Hahahaha. Jedem, der es hörte, war klar, dass es eine religiöse Qualität hatte.

RUFUS WAINWRIGHT: Spirituell.

MARTHA WAINWRIGHT: Das auch. Ihre Stimme war schwach und es klang, als sei sie mit einem Fuß im Leben und mit dem anderen außerhalb. Fast als würde sie sich in die Göttin Persephone verwandeln, von der der Song handelt. Die geht ja auch in die Unterwelt. Kurz nach Kates Tod habe ich den Song selber aufgenommen, weil ich nicht wollte, dass es irgendjemand anders tut.

RUFUS WAINWRIGHT: Anfangs dachten wir, der Song sei über Martha, die in London war und Kate in Montréal.

Wegen der Zeile „Come home to Mama“?
RUFUS WAINWRIGHT: Ja. Gleichzeitig sang Kate aber auch über ihre eigene Mutter, die sie bald wiedersehen würde.

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