Interview : Ute Lemper würde Hillary wählen

In den 80ern war sie ein weltweit gefeierter Musical-Star und galt als "zweite Marlene Dietrich". Dann war es lange ruhig um Ute Lemper. Jetzt ist die 44-Jährige mit einem neuen Album zurück. Eine Tournee ist auch geplant. Im Interview spricht sie über ihre Familie, Hilary Clinton und warum die der Musical-Bühne den Rücken kehrt.

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Ute Lemper: Auf die Musical-Bühne will sie nicht zurück. -Foto:dpa

HamburgEnde Februar erschien Ihr Album "Between Yesterday And Tomorrow". Erstmals haben Sie nicht die Lieder anderer interpretiert, sondern alle Texte selbst geschrieben. Wieviel Ute Lemper ist darin?

Das Album war ein Geschenk an mich selbst. Es war völlig anders, nicht die Chansons zu singen, für die ich bekannt bin, sondern mein eigenes Material. Die Musik trägt ein Stück New York in sich. Da sind Elemente von Jazz, Blues, aber auch brasilianischer Musik. In New York habe ich gemerkt, dass auch diese Einflüsse in mein Universum passen, das bis dahin eher klassisch geprägt war.

Die CD haben Sie gemeinsam mit ihrem Partner, dem Musiker Todd Turkisher, aufgenommen. Wie ist es, nicht nur das Bett, sondern auch Studio und Bühne zu teilen?

Wir ergänzen uns gut. Schließlich war es damals auch die Musik, die uns zusammengebracht hat. Und ich liebe es, mit ihm auf Tour zu gehen. Wir nehmen auch unseren kleinen Sohn mit. Dann bekommt man zwar weniger Schlaf, aber man ist nie einsam und hat seine Liebsten um sich. Natürlich gibt es auch mal Reibereien. Aber die gibt es ja in jeder Beziehung.

In ihren Texten singen Sie von Liebe, von Einsamkeit, aber auch über ernste Themen und politische Entwicklungen. In "Ghosts Of Berlin" geht es um das Leben im geteilten Berlin. Sind das persönliche Erinnerungen?

Es ist ein poetisches Lied, in der ich die Zeit von damals reflektiere. Die Berliner Jahre ab 1984 waren eine sehr prägende und wichtige Phase für mich. Es war ein Aufwachen als Künstler und als politischer Mensch. Ich habe am Theater des Westens gespielt und Berlin war eine Künstler-Oase mit vielen Paradiesvögeln. Täglich bin ich mit meinem verrosteten Fahrrad an der Mauer vorbeigefahren und später kam dann plötzlich der 9. November (1989). Ich war komischerweise mit meinem Freund und Pianist Jürgen Knieper, der die Musik zu Wim Wenders' Film „Der Himmel über Berlin» geschrieben hat, in New York. Wir fuhren im Taxi, hörten vom Mauerfall und dachten: "Jetzt sitzen wir hier und verpassen den wichtigsten Tag Deutschlands."

Und was hat es mit dem Intro des Liedes "Nomads" auf sich, das Sie zum Teil auf arabisch singen?

Das ist ein arabisches Gedicht, das im zwölften Jahrhundert von einem islamischen Gelehrten geschrieben wurde. Es besagt, dass die finale Konsequenz der Religionen die Liebe ist. Sie sieht über alle Grenzen hinweg und schafft Raum für die Thora, die Bibel oder
den Koran. Das ist gerade in Anbetracht der heutigen Konflikte eine faszinierende Aussage.

Am 5. Mai beginnt in Lübeck ihre Deutschland-Tour. Freuen Sie sich auf die hiesigen Konzerte?

Hier zu spielen ist immer was besonderes, es ist wie ein Heimspiel. Manchmal haben die Deutschen besondere Erwartungen und verbinden erst mal die Musical- oder (Kurt) Weill-Geschichten mit mir. Die Leute müssen mit mir kommen und sich auf Abenteuer
einlassen. Ich werde eine Mischung aus den großen Chansons und den neuen Liedern der CD vortragen.

Anfang der 1980er Jahre engagierte Sie Andrew LLoyd Webber für "Cats" in Wien. Später feierten Sie weltweit Erfolge unter anderem mit "Cabaret" und "Chicago". Können Sie sich vorstellen, noch mal auf die Musical-Bühne zurückzukehren?

Momentan nicht. Ich kümmere mich lieber um meine Kinder, als acht Mal in der Woche auf der Bühne zu stehen. Das habe ich lange genug gemacht. Ich war auch damals nie besonders glücklich damit, soviel von meinem Privatleben aufopfern zu müssen. Jetzt möchte ich neben meiner eigenen Musik völlig normale Familiensachen machen wie Kinder zur Schule bringen, gemeinsame Kissenschlachten oder Skifahren.

Sie leben seit zehn Jahren in New York. Sind Sie inzwischen eine "richtige" Amerikanerin oder können Sie sich vorstellen, auch wieder in Deutschland zu leben?

Ich fühle mich nicht amerikanisch und möchte auch keine amerikanische Staatsbürgerschaft beantragen. Ich liebe New York, aber das US-System geht mir so auf den Geist, vor allem mit George Bush als Präsident. Ich überlege schon immer Mal, wieder nach Europa zurückzukehren. Berlin, Rom, London, Barcelona wären interessant. Letztendlich müsste die Familie entscheiden, aber Berlin wäre für ich die natürlichste Wahl.

In den USA laufen derzeit die Vorentscheide für die Präsidentschaftswahlen. Wer von den Demokraten wäre denn eher ihr Kandidat? Die New Yorker Senatorin Hillary Clinton oder ihr Konkurrent Barack Obama?



Ich würde Hillary wählen. Als New Yorkerin sowieso. Aber ich finde auch, dass sie eine unheimlich intelligente Frau ist mit dem richtigen Empfinden für Gerechtigkeit. Barack Obama hat weniger Erfahrung, ist aber auch okay. Hauptsache, es kommt nicht wieder ein Republikaner an die Macht.

Interview: Jenny Tobien, dpa

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