Interview : "Vergiss, wer du bist"

Michael Mann hat die Kultserie "Miami Vice" verfilmt. Im Interview spricht der Regisseur über Perfektionismus, Hurrikan Katrina und die Arbeitsmoral von Colin Farrell.

Berlin - Michael Mann liebt das Verbrechen. Nach seinem Meisterwerk "Heat" oder jüngst "Collateral" bringt der 63-Jährige nun die TV-Kultserie "Miami Vice", die er in den 80er Jahren produziert hatte, auf die Leinwand. Darin infiltrieren Colin Farrell und der Oscar-Preisträger Jamie Foxx als Ermittlerduo Sonny Crockett und Rico Tubbs ein kolumbianisches Drogenkartell. Der Film startet am Donnerstag in den deutschen Kinos.

Mr. Mann, stimmt es, dass die Idee zur Verfilmung von "Miami Vice" von Jamie Foxx stammt?

Ja, er kam während Muhammad Alis Geburtstagsparty auf mich zu und sagte: "Lass uns das machen." Ich habe ihn nicht ernst genommen.

Aber offenbar hat er Sie doch zum Nachdenken gebracht.

Nun ja, ich habe nicht den Film gemacht, den Jamie sich vorgestellt hatte. Ausschlaggebend war für mich die Arbeit mit den verdeckten Ermittlern.

Foxx hat die Dreharbeiten wegen der intensiven Vorbereitung mit einer Schauspielschule verglichen.

Ich möchte den Schauspieler glauben machen, dass er wirklich alles tun kann. Meine Mission ist es, Jamie so in Tubbs zu verwandeln, dass er vergisst, dass er Jamie ist.

Das bedeutet?

Er muss in der Lage sein, verdeckt zu ermitteln. Er muss die Funkcodes kennen, wenn er eine Ladung Drogen unter den Augen der Küstenwache nach Miami schmuggelt. Ich wollte die Schauspieler auf diesen Level bringen: "Glaube an dich selbst." So wird es für die Zuschauer glaubwürdiger. Sie sind schlauer als sie glauben.

Wie weit gehen Sie bei der Authentizität?

Weit. Ob es die Farbe des Bordsteins ist, die Form eines Briefkastens. Es geht um die Genauigkeit bei der Geschichte, den Charakteren und beim Stil. Lassen Sie es mich so formulieren: Wenn ich die Möglichkeit einer intensiven Vorbereitung habe, um die Schauspieler durch diese sehr starke Transformation zu führen, warum sollte ich mich mit weniger zufrieden geben?

Sie waren zurzeit von Hurrikan Katrina in Florida. Wie gefährlich wurde es für ihr Team?

Wir hatten einen genauen Ablaufplan für das Eintreffen eines Hurrikans. Die Ausrüstung kam ins Lager, die Mitarbeiter fuhren entweder nach Hause oder quartierten sich in Hotels ein, wo es Generatoren gab. Es klingt dramatisch, war es aber nicht. Wir haben im Endeffekt drei bis vier Drehtage eingebüßt.

In den vergangenen Monaten gab es viel Gerüchte um den wilden Lebensstil von Colin Farrell. Haben Sie davon am Set etwas mitbekommen?

Zunächst einmal: Das wilde, verrückte Leben ist Colins Beruf. Wenn du Colin Farrell bist, das Durchhaltevermögen hast und du das Leben liebst, Mann, dann wärst du ein Narr, das Leben nicht in vollen Zügen zu genießen. Colin Farrell ist ein vollendeter Profi. Ich würde seinen Lebensstil immer verteidigen. Es wird viel Müll drüber geschrieben. Die schmarotzerhafte Berichterstattung ist an einem Punkt angelangt, wo es absurd wird.

Werden sie jemals einen unbeschwerten Film drehen, der im vollen Sonnenlicht spielt und ohne Cops und Kriminelle auskommt? Wären Sie daran überhaupt interessiert?

Absolut! Ich würde gerne eine Komödie machen. Keine Ahnung, ob sie unbeschwert wird, vielleicht wird sie eher "Dr. Strangelove" ähneln. (tso/ddp)

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