Kultur : Irak: Lorbeeren statt Ärger

Charles A. Landsmann

Die "Tour zum Kennenlernen" durch den Nahen Osten hat für US-Verteidigungsminister Colin Powell mit unerwarteten Vorschusslorbeeren begonnen. Powell sei "ganz anders" als seine Vorgängerin Madeleine Albright, schrieb die ägyptische Regierungszeitung "El Gumhurija". Die Araber hofften, dass die neue US-Administration mit mehr Gerechtigkeit und Fairness an die Probleme in der Region herangehe. Ägypten ist nicht nur der wichtigste arabische Verbündete in der Region, sondern auch Wortführer im arabischen Lager. In der Palästinenser-Politik und bei den UN-Sanktionen gegen Irak drängt Ägypten die US-Regierung zu einem anderen Politikansatz.

Und tatsächlich scheint Powell auf die Vorstellungen Ägyptens einzugehen - denn sie kommen den eigenen, neuen Prioritäten entgegen. Nicht mehr dem israelisch-arabischen Konflikt wie zu Clintons Zeiten, sondern dem Irak soll das Hauptinteresse der Amerikaner gelten.

Um den neuen Prioriäten, die auch US-Präsident Bush und der britische Premier Blair in den USA besprochen haben, Gewicht zu verleihen, nimmt Powell eine klare Trennung zwischen militärischen und anderen Kampfmitteln vor im Wissen, dass die anhaltenden Sanktionen gegen den Irak in der arabischen Welt höchst unpopulär sind, massenhaft unterlaufen werden und sich als wirkungslos erweisen. Powell sprach sich für Erleichterungen der antiirakischen Sanktionen aus und betonte gleichzeitig, dass eine gezielte Sanktionspolitik die Optionen für den Einsatz militärischer Gewalt durch die USA nicht beeinträchtige.

In den Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Igor Ivanov und dem ägyptischen Staatspräsidenten Hosni Mubarak und dessen Außenminister Amr Mussa bildete der Irak das Hauptgesprächsthema, wie dies auch ab dem morgigen Montag in den anderen arabischen Hauptstädten der Fall sein wird. In Syrien haben die Massenmedien sofort reagiert und Außenminister Powell aufgefordert, seine Prioritäten zu überprüfen, denn nicht der Irak sondern Israel stelle die wahre Gefahr für die Stabilität und Sicherheit des Nahen Ostens dar. Die Regierungszeitung "Tishrin" wies darauf hin, dass Israel nach wie vor auf das internationale Recht pfeife und es an der neuen US-Regierung sei, mit neuen Ideen die Agressionsabsichten Israels aufzudecken und sichtbar zu machen.

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