Kultur : Irak-Museum: Nicht alle Kunstschätze sind verloren

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Die Plünderungen im Nationalmuseum in Bagdad sind vielleicht doch nicht so schwer ausgefallen wie angenommen. Als John Curtis, Fachbereichsleiter am British Museum, die Ausstellung letzte Woche untersuchen konnte, fehlten nach einer ersten Sichtung nur 29 Exponate. Die Liste hat Curtis’ Kollegin Dominique Collon am Donnerstag veröffentlicht. Gleich nachdem Iraker und vermutlich auch professionelle Kunstdiebe das Museum ungehindert hatten stürmen können, hatte die Museumsleitung berichtet, 170 000 Stücke seien verschwunden.

Auf der Verlustliste, die Curtis mit irakischen Kollegen zusammengestellt hat, stehen allerdings einzigartige Kunstwerke wie etwa die berühmte Vase von Uruk, ein fast meterhohes, mehr als 5000 Jahre altes Kultgefäß. Es fehlen aber auch die elfenbeinerne Szene von einem Löwen, der Nubier angreift (850–750 v. Chr.), eine Kalksteinstatue des Götterboten Hermes (200 v. Chr.) oder die hölzerne Tür einer Moschee aus dem 12. Jahrhundert. Eine zweite Liste verzeichnet Schäden an Exponaten. Von der oft abgebildeten Lyra aus Ur zum Beispiel ist offenbar der Goldbelag abgezogen worden.

Diese Ergebnisse sind jedoch vorläufig. Das betonen die Amerikaner, die im Museum die Ermittlungen überwachen: Oberst Matthew Bogdanos und der Diplomat John Limbert vom Büro für Wiederaufbau. Einige Keller seien wegen defekter Stromleitungen immer noch nicht untersucht. Die Inventur fällt umso schwerer, als die Dokumentationen des Museums zwar nicht zerstört, aber dafür über 120 verwüstete Büros verteilt sind. Das in Ordnung zu bringen, daure Monate, wenn nicht Jahre, sagte Dominique Collon am Freitag. Währenddessen geben die Iraker nach Aufforderungen von Geistlichen immer noch Stücke zurück – darunter Kopien. Sie stammen aus dem MuseumsShop. rcf

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