Kultur : Irakisches Nationalmuseum in Bagdad geplündert

-

Auch das irakische Nationalmuseum in Bagdad ist nicht von Plünderungen verschont geblieben. Die Säle des Museums boten am Samstag ein Bild der Verwüstung: Die Böden waren übersät mit umgestürzten Statuen und zerschlagenen Keramikkrügen. Die stellvertretende Museumsdirektorin Nabhal Amin sprach von einem Verlust in Milliardenhöhe. Bis zu 170000 Objekte seien von den einheimischen Eindringlingen gestohlen oder zerstört worden. Die wertvollsten Kunstgegenstände der Sammlung sind zwar in den Kellern der irakischen Staatsbank ausgelagert, die Plünderer haben jedoch alles mitgenommen, was transportabel war. Viele Vitrinen wurden auch einfach nur umgestürzt.

Im ersten Golfkrieg war das Nationalmuseum von Plünderungen verschont geblieben, während alle Regionalmuseen ausgeraubt wurden, oft von professionellen Banden, die die Ware illegal nach Europa schaffen, wo sie mit falschen Zertifikaten versehen und anschließend versteigert wird. Nach 1991 wurde das Nationalmuseum geschlossen, erst 2002 öffnete es wieder seine Tore. Es beherbergte die wohl bedeutendste Sammlung mesopotamischer Altertümer, Gesetzestafeln, ElfenbeinSkulpturen, Beigaben aus Königsgräbern der sumerischen Stadt Ur, Schmuck aus 15 Jahrhunderten.

Augenzeugen berichten, dass vor allem Jugendliche und Kinder Gegenstände stehlen. Museumschefin Amin macht die USA für den Verlust verantwortlich: Während die US-Truppen nach ihrem Einzug in Bagdad umgehend das Erdöl-Ministerium gesichert hätten, kümmerten sie sich keinen Deut um das Museum: „Da steckt Absicht dahinter.“

Die Unesco mahnte den Schutz der irakischen Kulturgüter an. Die britischen und amerikanischen Behörden sollten Sofortmaßnahmen zum Schutz der Kulturgüter ergreifen, forderte der Generaldirektor der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, Koichi Matsuura. dpa/Tsp

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben