Iran : Armselig

Ein Unesco-Bericht über die Schäden in Babylon

Hans-Hagen Bremer

Die Truppen der Anti-Saddam-Koalition sind längst abgezogen. Im Dezember 2004 verließen die Einheiten das „Camp Alpha“ 90 Kilometer südlich von Bagdad. Die Amerikaner hatten es im April 2003 auf dem Gelände der antiken Stadt Babylon eingerichtet und es dann den polnischen Verbündeten überlassen. Panzer, Lkws und schweres Gerät sind verschwunden. Geblieben sind die Schäden, die das Militär an der bis dahin nur zu einem Teil archäologisch erschlossenen Stätte angerichtet hat. Seitdem untersteht das Gelände wieder den irakischen Behörden. „Doch jetzt verschlimmert sich die Lage beinahe täglich“, musste John Curtis, der Leiter der Nahost-Abteilung des British Museum nach seiner letzten Reise nach Babylon kürzlich feststellen. Infolge mangelnder restauratorischer Pflege befänden sich viele Monumente in einem „armseligen Zustand“, sagte er am Donnerstag in Paris in einer Pressekonferenz der Unesco, in der der Abschlussbericht einer von der UN-Organisation für Kultur und Erziehung eingesetzten Wissenschaftlergruppe über die Kriegsschäden im Irak vorgestellt wurde.

Schon vor dem Irak-Krieg waren in Babylon, zu dessen Ausgrabung im vergangenen Jahrhundert deutsche Archäologen wesentlich beigetragen haben, durch das Projekt „Babylon Revival“ des irakischen Diktators Saddam Hussein beträchtliche Schäden angerichtet worden. Er hatte Gräben, künstliche Seen und künstliche Hügel anlegen lassen. Auf einem erhebt sich sein Palast. Das Projekt, das auf archäologische Erfordernisse nur wenig Rücksicht nahm und nur notwendige Restaurationen am Palast des Nebukadnezar, dem Ninmach-Tempel oder dem Prozessionsweg beinhaltete, wurde durch den Irak-Krieg gestoppt. Mit der Errichtung des Militärlagers für die Koalitionstruppen kam es dann aber noch schlimmer. Erdhügel wurden planiert, Straßen, Parkplätze und Landeplätze wurden angelegt. Schutt, der womöglich von der Wissenschaft unerkundete Schätze enthielt, wurde achtlos beiseitegeräumt.

„Dieser Bericht kann nur ein Anfang sein“, erklärte Margarete van Ess, wissenschaftliche Direktorin der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin. Für sie als Koautorin des Unesco-Berichts kommt es darauf an, dass sich die zuständigen Stellen im Irak mit der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft so schnell wie möglich an die Rettung der bedrohten Stätte machen. Hans-Hagen Bremer

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