Kultur : Iraner tanzen heimlich

„Don’t Move“ im Ballhaus Naunynstraße

von

„Du verbirgst dieser Stadt, wer du bist“, sagt der junge Mann aus Teheran, dessen Namen verschwiegen wird. Sein Körper verharrt im Dunkeln – zu seinem Schutz. Die Videobilder zeigen einen Tanz im Verborgenen: ein Aufbegehren, ein Ringen um Ausdruck, um Freiheit. Seit der Revolution von 1979 herrscht im Iran ein Tanzverbot, in der Öffentlichkeit dürfen keine tänzerischen Bewegungen gezeigt werden. Modjgan Hashemian und Susanne Vincenz untersuchen in ihrem Stück „Don’t Move“, das im Ballhaus Naunynstraße zu sehen ist, welche Konsequenzen das Verbot hat.

Hashemian ist mehrfach in den Iran gereist und hat Tänzer über ihre Situation befragt. Denn getanzt wird trotz der Sittenwächter in Privaträumen, hinter Fensterfronten oder auf Dächern. Geradezu konspirativ erscheinen manche Aktionen. Zugleich zeigen die Videotanzszenen, wie die Normierung sich in die Körper eingeschrieben hat. Da sieht man, wie die Tänzer sich wegducken, sich verschließen und panzern. Um sich dann behutsam zu öffnen, neue Schritte zu wagen.

Die vier Berliner Tänzer auf der Bühne versuchen, die Erfahrung von Repression auf ihre Weise umzusetzen, was manchmal etwas plakativ wirkt. Ein direkter Austausch zwischen den Berliner und Teheraner Tänzern war nicht möglich, also simulieren sie den Dialog. Liveaktion und Videotanz überlagern sich ständig. Doch auch wenn dies nur der Traum einer Begegnung ist, eröffnet sich doch ein Möglichkeitsraum. Der Tanz ums Tabu: Wie die Iraner in „Don’t Move“ sich ihre Freiräume erobern, ist bewundernswert und ermutigend. Sandra Luzina

Ballhaus Naunynstraße, wieder am 22., 24.– 26. und 28.– 30. 3., 20 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar