Iranische Regisseure : Trotz Verbot: Filme von Panahi und Rasoulof in Cannes

Die iranischen Filmemacher Jafar Panahi und Mohammed Rasoulof haben trotz Berufsverbots und drohender Haftstrafen zwei neue Filme aus ihrem Heimatland herausgeschmuggelt. Sie sollen in Cannes gezeigt werden.

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Der iranische Regisseur Jafar Panahi.
Der iranische Regisseur Jafar Panahi.Foto: AFP

Mitten in die letzten Vorbereitungen für das am Mittwoch beginnende 64. Festival von Cannes platzt eine filmpolitische Sensation: Die Regisseure Jafar Panahi und Mohammed Rasoulof, in ihrer Heimat Iran laut einem Gerichtsurteil im Dezember 2010 mit 20-jährigem Berufs-, Interview- und Ausreiseverbot belegt und derzeit mit jeweils sechsjährigen Haftstrafen bedroht, werden zwei neue Filme in Cannes präsentieren. Wie das Festival am Sonnabend mitteilte, haben die unter „halbklandestinen Bedingungen“ entstandenen Arbeiten das Festival „in den letzten Tagen“ erreicht. Das Angebot der beiden Regisseure an Cannes, die Filme zu zeigen, sei ein „Akt des Mutes“ und eine „großartige künstlerische Botschaft“. Sie dokumentierten damit zugleich ihren Widerstand gegen die drohende Verurteilung bei der anstehenden Revisionsverhandlung.

Jafar Panahis 75-minütige Dokumentation „In Film Nist“ (Dies ist kein Film), die er zusammen mit dem Regisseur Mojtaba Mirtamash realisierte, schildert einen Tag im Leben Panahis, der auf seine Verhandlung wartet. Der Film wird in einer Sondervorführung am 20. Mai gezeigt. Mohammad Rasoulofs im vergangenen Winter gedrehter Spielfilm „Bé Omid é Didar“ (Auf Wiedersehen) erzählt von einer jungen Anwältin, die auf ein Ausreisevisum wartet. Der Film wurde in die Nebenreihe „Un certain regard“ aufgenommen. Panahi, der vor einem Jahr im Gefängnis saß und damals in die Cannes-Jury eingeladen war, hatte im Februar 2011 erneut eine Festivaleinladung in die Berlinale-Jury erhalten, hier wie dort gab es Solidaritätsaktionen. Dass er trotz Verbot gedreht hat und seinen Film nach Cannes schickt, erklärt er nun so: „Die Tatsache, dass wir am Leben sind, und der Traum, das iranische Kino intakt zu halten, ermutigt uns, die derzeitigen Restriktionen zu überschreiten. Unsere Probleme sind unser Schatz. Wenn man dieses Paradox als vielversprechend versteht, dann lädt es uns ein, unsere Hoffnung nicht zu verlieren und unseren Weg weiterzugehen.“ Es sei ihre Pflicht, „keineswegs nachzugeben und weiter nach Lösungen zu suchen“. Mit der Präsentation ihrer Filme in Cannes fordern Panahi und Rasoulof das Regime in Teheran auf das Äußerste heraus.

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