Iranisches Kino : Aktion Umverteilen

Iran ironisch: In seiner bitterbösen Parabel „Modest Reception“ schickt Mani Haghighi ein reiches Paar mit einem Auto voller Geldsäcke in die Berge.

von
Geld stinkt doch. Esmail Khalaj und Taraneh Alidoosti in „Modest Reception“. Foto: Kosari
Geld stinkt doch. Esmail Khalaj und Taraneh Alidoosti in „Modest Reception“. Foto: Kosari

In „Men at Work“, der 2006 im Forum lief, zeichnete der Iraner Mani Haghighi ein groteskes Bild. Auf der Rückkehr vom Skiwochenende wollen gut situierte Teheraner um alles in der Welt einen Felsen am Hang in den Abgrund zu stürzen – das absurde Vorhaben kann nur misslingen. In „Modest Reception“, Haghighis viertem Spielfilm, wird es noch absurder.

Wieder geht es ins winterkalte Gebirge, diesmal mit einem Mann (Haghighi selbst) und einer Frau (Taraneh Alidoosti) – ein Ehepaar? Geschwister? –, die im Kofferraum ihres Wagens Plastiksäcke voller Geld mit sich führen. Sie verschenken die Säcke in der dünn besiedelten, umkämpften Grenzregion an Soldaten, Bauern, die Ärmsten der Armen. Aber sie säen auch Zwietracht mit ihren Almosen, knüpfen grausame Bedingungen an die Vergabe, verstecken das Geld und stellen den Dieb, lassen einen Lkw-Fahrer schwören, es keinesfalls mit seinem Bruder zu teilen, halten einen Bergbauern vom Gnadenschuss an seinem sterbenden Esel ab, nötigen einen Vater, sein totes Baby zu verkaufen.

Mani Haghighi lebte 17 Jahre in Kanada, bevor er 2000 in seine Heimat zurückkehrte, dort Dokumentar- und Werbefilme drehte, sich mit der Zensur herumschlug und mehrfach mit Asghar Farhadi zusammenarbeitete, dem Berlinale-Sieger 2011. Die Themen von dessen Oscarnominiertem Drama „Nader und Simin“ schwingen hier nach. Auch hier liefert sich ein Paar hysterische Fehden; die Spannung zwischen Arm und Reich findet ihr Echo in der pervertierten Umverteilungsaktion; und die Ignoranz der Wohlhabenden spitzt Haghighi zum Sarkasmus zu.

Seine Parabel ist der einzige Berlinale-Beitrag 2012 aus dem Iran. Ein starkes Stück Kino: aggressiv, bitterböse, verzweifelt. Wahrere Geschichten aus jenem Land, für dessen drangsalierte Filmemacher sich die Berlinale 2011 so heftig engagierte, lassen sich zurzeit vielleicht kaum erzählen. Und dennoch kennt „Modest Reception“ Erbarmen mit seinen zynischen Helden. In einer gespenstischen Nachtszene wird das reiche Paar seinerseits gedemütigt und gewinnt in der Verkehrung der Verhältnisse seine Menschlichkeit zurück. So straft Haghighi auch uns Westler Lügen, die sich gern einen einfachen Reim auf die Verhältnisse im Iran machen wollen. Christiane Peitz

15.2., 16.15 Uhr (Cinestar 8), 16.2., 20 Uhr (Arsenal 1), 17.2., 11 Uhr (Cinestar 8)

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben