Kultur : Irgendwan sprengt sie das Korsett

Ihre Beine sprengen das Layout, ihre Zoten den schlechten Geschmack.Als Erfinderin des Damenwitzes hat sich die Ex-Tänzerin und Ex-Katechetin in der Tuntengemeinde und angrenzenden Entertainment-Zirkeln etabliert, aber eigentlich ist sie die Moralistin nach Helen Vita.Sie zieht langatmig über das saturierte Brettl her, die Bar jeder Vernunft, wo sie einst verschmäht wurde und nun bis zum 15.8.gastiert, und nicht besonders brillant über ihre parteipolitischen Ambitionen, und ist wohl trotzdem die spitzsinnigste Unterhaltungs-Hausfrau & Mutter im Comedy-Land.Manchmal sagt sie die eigenen funkelnden Gifttexte auf wie gelernt, das paßt nicht und rührt, weil sie, die preußische Trash-Diva, wohl furchtbar aufgeregt ist.Stimmlos verpiepst und verquäkt sie umgedichtete Schmalz-Würmer zu Lieschen Müllers Hoffnungsträgern, wie "I will survive" und die Schwulen-Hymne "YMCA", aus der - Triumph des libertinären Kleinbürgermiefs - ein holprig-konsonantiger "CVJM" wird.Ja, ihre Schwulen rühmt und züchtigt sie, wen sie verspottet, den liebt sie, auch die reinen Ideale von irgendwann, am meisten verhöhnt sie sich selbst.Desirée Nick wackelt wie eine Puppe.Sie entblößt, verhüllt in Straß und Glimmer, beim Umkleiden abgestillte Brüste; sie frotzelt und meint es doch so von der "Weisheit des Alters", sie brüllt den Walzer über den Tod der Hamburger Hure, daß die Spiegel klirren.Sie wird besser.Innendrin ist sie zart, das ist keine Zote.Irgendwann, trau dich, sprengt sie das Korsett.

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