Kultur : Iris Berben im Gespräch: "Superweiber mag ich nicht"

Frau Berben[Sie sind mit einem Buch auf Lesetourn]

Frau Berben, Sie sind mit einem Buch auf Lesetournee, das die Gefühle einer Betrogenen in der Ich-Perspektive erzählt: "Wer liebt, hat Recht" von Anita Lenz. Die Filmrechte haben Sie sich auch schon gesichert. Was reizt Sie an diesem Stoff?

Es ist die Geschichte eines Verrats. Ein Mann betrügt seine Frau und zeugt mit der anderen ein Kind. Das Buch erzählt, wie die Frau damit umgeht. Wie sie nicht weiter weiß, verletzt ist, wütend, sich peinlich verhält. Und wie sie den Menschen, für den sie sich entschieden hat, nicht aufgibt. Am Ende steht die Möglichkeit einer Hoffnung. Vielleicht werden sie es schaffen - vielleicht. Was mich an diesem Buch so fasziniert, ist seine Ehrlichkeit. Die Ich-Erzählerin hat so gar nichts mit diesen Überweibern gemein, die es in so vielen von Frauen geschriebenen Büchern gibt. Diese perfekt funktionierenden Superweiber, die Karriere, Kinder und Mann problemlos unter einen Hut kriegen. Das mag ja gute Unterhaltung sein, aber es ist verlogen. Bei aller Souveränität, Intelligenz, Emanzipation - es gibt Situationen, in denen wir nicht nach Formeln funktionieren. Es gibt im Leben immer auch Kampf, Verzweiflung, Unsicherheit.

Auch bei einer Superfrau wie Iris Berben?

Ich hatte beim Lesen manchmal das Gefühl, es hat mir jemand heimlich bei Dingen zugeschaut, von denen ich mir gewünscht habe, dass sie niemand weiß. Die Situation, in der es auch um die Existenz eines Kindes geht, habe ich so nicht erlebt, da hat mich mein Mann in unseren 26 Jahren verschont, aber diese ungefilterten Ausbrüche, die man hat, wenn man verletzt ist, die kenne ich.

Sind Sie ein eifersüchtiger Mensch?

Heute nicht mehr so schlimm wie früher, aber ganz frei bin ich nicht davon.

Wie wichtig ist Ihnen Treue?

Ich bin sicher niemand, der an die Monogamie glaubt. Mit einem Treuebruch innerhalb der Sexualität kann ich umgehen. Das war nicht immer so. Als ich ganz jung war, wäre es keine Frage gewesen, da kann man nicht verzeihen. Durch die Erfahrungen, die ich in meinem Leben gemacht habe, weiß ich aber, dass ich damit fertig werden kann. Natürlich ist das schmerzhaft, sehr sogar, aber ich weiß, dass ich damit umgehen kann. Im Laufe der Jahre erkennt man, wofür es sich lohnt zu kämpfen, wofür es sich lohnen kann, Schmerzen auszuhalten. Was ich nicht nachvollziehen kann, sind diese so genannten "offenen Beziehungen". Entweder hast du eine und die schweißt dich aneinander und lässt dich auch gemeinsam durch schwere Zeiten gehen. Oder jeder macht, was er will. Dann wüsste ich aber nicht, wozu ich mit jemandem lebe.

Glauben Sie an die eine große Liebe?

Vielleicht ist es mehr Wunsch als Glaube, aber ich habe mich jetzt mehr als die Hälfte meines Lebens für einen Mann entschieden, das wird dann wohl dieser eine Mensch im Leben sein.

Wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Mann - wie in dem Buch - heimlich eine zweite Beziehung mit Kind hätte?

Ich kenne die Antwort nicht. Dieses Bedürfnis, dass es auf alles eine Antwort geben muss, das macht mich sowieso immer ganz sprachlos. Ich habe Angst vor Menschen, die auf alles eine Antwort wissen. Die Beziehung, die ich führe, gibt mir eine ungeheure Sicherheit im Leben und im Auftreten. Sie ist aber nicht die Antwort auf alles. Zweifel, Suchen, Gucken, Unsicherheiten - das gibt es immer wieder mal. Ist sie schöner als ich?, fragt sich die Ich-Erzählerin. Diese Unsicherheit die ist mir schon sehr nahe. Natürlich hat man als Frau damit zu kämpfen, dass man älter wird. Auch die Tatsache, dass ein Mann seine Sexualität immer leben kann, eine Frau aber ab einem gewissen Alter kein Kind mehr gebären kann.

Hat Recht, wer liebt?

Der Titel impliziert auch eigenes Scheitern. Weil du liebst, hast du Recht. Hast Recht mit deinen Unsicherheiten, mit deiner Eifersucht, mit deiner Peinlichkeit - ich finde ja.

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