Israel : Reste einer hochentwickelten Stadt entdeckt

Archäologen haben in Israel die Reste einer Stadt aus der frühen Eisenzeit gefunden, die außerordentlich gut geplant war. Der Fund wirft ein neues Licht auf die Epoche.

MainzBislang sei die Epoche (1150-950 v.Chr.) in der Gegend von Kinneret am See Genezareth als Zeit des Niedergangs angesehen worden, teilte der Grabungskoordinator und Professor an der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität, Wolfgang Zwickel, mit. "Das zeigt ganz einfach, dass es keinen kompletten Zusammenbruch der Gesellschaft gegeben hat." Kinneret gilt hinsichtlich der Frühzeit des biblischen Israel als einer der wichtigsten Orte des Landes.

Bisher waren die Archäologen davon ausgegangen, dass alle großen Städte der Region um 1200/1175 v.Chr. aufgegeben wurden. Stattdessen gründeten sich kleine Dörfer im Bergland. Nach derzeitigem Kenntnisstand hätten diese kleinen Ortschaften den Kern des späteren Staates Israel gebildet, der im zehnten Jahrhundert vor Chr. aufgebaut worden sei.

Ausgeklügeltes Wasserleitsystem

Die nun gefundene Stadt sei außerordentlich gut geplant gewesen, hieß es. So verliefen die Straßen schräg zum Hang, damit das Regenwasser in Richtung See geleitet werden konnte. Entdeckt wurde auf zwei je rund 1000 Quadratmeter großen Grabungsflächen auch ein Gebäudekomplex, der nach Ansicht der Forscher eine Bäckerei war. Die Stadtmauer habe eine Stärke von mehr als zwölf Metern gehabt. Möglicherweise habe die Stadt als Festung gedient, sagte Zwickel.

Wahrscheinlich hätten ein Erdbeben und ein dadurch ausgelöstes Feuer die Stadt im zehnten Jahrhundert v. Chr. zerstört, erklärte Zwickel. Sie sei anschließend für mehr als 100 Jahre verlassen worden. Nach Angaben der Forscher deuten die gefunden Stadtreste darauf hin, dass rund 2500 Menschen auf einer rund zehn Hektar großen Fläche gelebt hatten.

Das Projekt, an dem derzeit etwa 70 Wissenschaftler der Universitäten Mainz, Helsinki, Bern und Leiden beteiligt sind, soll nach Angaben von Zwickel zunächst rund sechs Jahre weitergeführt werden. Die Grabungen hatten 2003 begonnen. (mit dpa)

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