Kultur : Israelische Künstler kritisieren Böll-Stiftung

Eine Gruppe von 44 israelischen Intellektuellen und Künstlern übt in einem offenen Brief scharfe Kritik an der Heinrich-Böll-Stiftung. Sie wirft der Stiftung „Geschichtsfälschung“ vor. Es geht um einen Programmtext zur Ankündigung der am 28. Januar beginnenden Israelischen Filmtage unter dem Titel „Israel im Orient / Orient in Israel“. Das Festival im Berliner Kino in der Kulturbrauerei widmet sich der Geschichte und sozialen Lage der Juden, die aus muslimischen Ländern nach Israel eingewandert sind. Die Spannungen zwischen dieser Mizrachim genannten Einwanderergruppe und den aus Europa stammenden Aschkenasim prägt den Staat Israel bis heute. Die politische und kulturelle Hegemonie der Aschkenasim erzeugte einen lange unterdrückten Konflikt, zu dessen Aufarbeitung die Böll-Stiftung beitragen will. Die Kritik der Intellektuellen richtet sich gegen den Einleitungstext des Programm-Flyers. Darin seien „viele äußerst problematische Formulierungen“ wie „Orient“ und „orientalisch“ enthalten, so die Kritiker. Das Wort „Rassismus“ fehle hingegen, „obwohl der Rassismus gegen Araber, jüdisch wie nicht-jüdisch, die gesamte Debatte“ über die Mizrachim in Israel präge.

Die Unterzeichnergruppe verwahrt sich auch gegen die im Einleitungstext vertretene Darstellung, derzufolge die Mizrachim aus ihren Heimatländern vertrieben worden seien. Damit werfe der Text die Mizrachim „auf eine undifferenzierte Weise in einem Topf zusammen, obwohl jede Gemeinde ein eigenes Schicksal erlebt“ habe. Die Filmtage schließen am 31. Januar mit einer öffentlichen Diskussion. Diese sei der geeignete Ort für derartige Kritik, sagt Bernd Asbach, Leiter des Referats Naher und Mittlerer Osten der Böll-Stiftung auf Nachfrage. Er wies außerdem daraufhin, dass es nach den Filmen Diskussionsveranstaltungen mit den Regisseuren und Yossi Yonah von der Ben-Gurion-Universität geben wird. daa

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben