Kultur : István Vörös

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Der Raum des Schreibens ist nicht das Arbeitszimmer. / Das Schreiben ist nicht Arbeit./Auf meinem Schreibtisch, außer dem Bildschirm eines Computers / Sind Bücher, ein Mauspad mit dem Motiv einer bestickten Thora-Decke, Matthäus, der Evangelist auf einer Ansichtskarte,/ über ihm ein Engel, der die Hand auf des Evangelisten Schulter legt / und ihn beobachtet, beim Schreiben.//

Gedichte kann ich im Zug schreiben und im Hotelzimmer auf dem Knie /Auf einer Bank sitzend, und ich habe auch schon auf ein großes Ahornblatt geschrieben, / sowie während einer Konferenz, und auch beim Examen. / Ich habe im Kopf geschrieben, und hinein in den Computer / Der Ort des Schreibens bin ich, ihn trenne ich / Von der Außenwelt, und zwar wasserdicht, / so wie Noah seine Arche von der Sintflut.//

Doch vermutlich schrieb Noah in der Arche nicht, / und die Tiere schrieben auch nicht, vermutlich. / Der Raum des Schreibens ist kein Gleichnis, / sondern ein wirklicher Raum.

István Vörös, 1964 in Budapest geboren, gehört zu den besten Lyrikern seiner Generation. Bei der Wiener Edition Korrespondenzen ist sein Band „Die leere Grapefruit“ erschienen. Zurzeit lebt er als DAAD-Stipendiat in Berlin. (8.9., 19 Uhr, Seitenbühne im HdBF; 11.9., 19.30 Uhr, Café Nabokov)

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