Kultur : Italianità der Gegenwart

KLASSIK

Oliver Schneller

Fausto Romitellis „Audiodrome“ will eine „Reflexion über die Natur der Kommunikation in der Epoche der elektronischen Medien“ sein. Prompt flankieren ein Sampler, eine elektrische Gitarre sowie ein Megaphon das Deutsche Symphonie-Orchester , und gegen Ende des Stückes deklamiert ein Musiker vom Schlagzeugpodium aus. Der Orchestersatz, den der Donatoni-Schüler hier geschrieben hat, ist fast durchgängig extrem dicht, mit vielen Orgelpunkten, die von kurzlebigen, elektronisch hervorgehobenen Höhepunkten und Tuttischlägen durchsetzt werden. Dagegen mutete Luigi Dallapiccolas „Dialoghi“ für Violoncello und Orchester von 1959/60 mit der für seine Musik charakteristischen klangfarbenbetonten Poesie umso zarter an. Mit großer Feinfühligkeit und Wärme spielte Lukas Fels im filigranen Wechselspiel mit einzelnen Orchestergruppen. Höhepunkt dieses italienischen Abends in der Reihe „Musik der Gegenwart“ aber ist „I fuochi oltre la ragione“ (Die Feuer jenseits der Vernunft) von Salvatore Sciarrino. Vom ersten flatternden Biomorph des einleitenden Abschnitts über die tonlos geblasenen Instrumente und im vierfachen Pianissimo tremolierenden Basstrommeln bis hin zu dem alles niederwalzenden Pulsraster der Coda, die durch einen Pistolenschuss eingeleitet wird: Dieses Stück gleicht einer gespenstischen Inszenierung – von Peter Rundel und dem DSO im Großen Sendesaal des SFB höchst wirksam, ja theatralisch zum Ausdruck gebracht.

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