Kultur : Italiens Filmfestivals in Gefahr

Das Dementi tönt erstens relativ weich, und zweitens gehören Dementis in Italien zu den eher kleineren Münzen. „Für heute“ bleibe alles beim Alten, ließ der römische Bürgermeister Gianni Alemanno gegenüber italienischen Nachrichtenagenturen verlauten, aber angesichts „natürlicher Fälligkeitstage“ sei Marco Müller „für die Zukunft eine optimale Hypothese“. Hintergrund der in Italien beträchtlich anhaltenden Aufregung: Ein Wechsel des Filmfestchefs von Venedig, Marco Müller, zur römischen Konkurrenz namens „Festa del Cinema“ zeichnet sich ab – und das bereits nächstes Jahr. Der Vertrag des renommierten Produzenten und früheren Chefs der Festivals von Locarno läuft Ende 2011 ebenso aus wie jener des römischen Gespanns, des nahezu 90-jährigen Präsidenten Gian Luigi Rondi und der künstlerischen Leiterin Piera Detassis.

Der mögliche Personalwechsel gilt als äußerst pikant, weil Müller, der 2004 in Venedig anfing, das im Folgejahr gestartete römische Filmfest stets mit scharfen Worten bekämpfte. Tatsächlich hat sich Rom zwar nicht als künstlerisch gleichwertig etablieren können, setzt sich aber gegenüber dem zuletzt durch langwierige Umbaupläne gebeutelten Festival am Lido glamourös in Szene – mit vielen Stars, Sponsorengeldern und vor allem als Publikumsfestival einer Millionenstadt.

So gesehen, bedeutet die Einladung des römischen Bürgermeisters an den profilierten Venedig-Chef Müller womöglich den Anfang vom Ende des ältesten – und zuletzt auch ächzendsten – Filmfestivals der Welt. Piera Detassis sagte gestern dem Tagesspiegel: „Es gibt zwar die Dementis und ich möchte hier in Rom auch gerne weitermachen, aber alle sagen, Müller kommt.“ jal

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