Kultur : "Italiensk for Begyndere": Komm ein bisschen mit nach Italien

Daniela Sannwald

"Sind Sie verheiratet?", fragt der neue Pfarrer die Gemeindehelferin. "Nein", antwortet sie bestimmt und ergänzt - mit kaum merklicher Verzögerung: "Ich lerne Italienisch." Gleich darauf sehen wir sie in einem kargen, viel zu großen Hörsaal sitzen, zusammen mit fünf oder sechs anderen. Sie alle hängen an den Lippen eines Italieners im mittleren Alter, der mit Inbrunst Sätze vorspricht und sie mit entsprechend ausladender Gestik begleitet. Er bringt einen Hauch von Licht und Wärme in die verregnete dänische Provinz und in die Herzen seiner Schülerinnen und Schüler sowieso. Aber dann erliegt Marcello einem Herzinfarkt. Und der in den Kurs entsandte Töpfer bedauert: "Bei mir ist es zu voll. Ich kann euch nicht aufnehmen." - "Aber können Sie denn Italienisch?", fragt der Pfarrer, der zum ersten Mal hier ist, und beweist damit nicht nur sein naives Verständnis von Erwachsenenbildung, sondern auch von der Welt.

Auch wenn die Welt klein ist in Lone Scherfigs hinreißendem Film, in dem Heiterkeit und Melancholie dicht beieinander liegen, so ist sie doch groß genug für die Themen, mit denen uns "Italiensk for Begyndere" konfrontiert: Krankheit und Tod, Liebe, Begehren, Trauer und Einsamkeit. Die Schicksale der sechs Helden und einer großen Anzahl Nebenfiguren verknüpft Lone Scherfig zu einer Wintergeschichte, die trotz aller Dunkelheiten auch ein Märchen ist, süß und ein bisschen bitter wie die Rumkugeln, die immer ausverkauft sind in der Bäckerei, in der Olympia arbeitet.

Deswegen kann sie ihrem verbitterten Vater abends keine mitbringen und wird beschimpft. Half-Finn, der Manager des Stadion-Restaurants, schimpft dagegen lieber selbst mit seinen Gästen, die die regelmäßigen Donnerwetter über sich ergehen lassen. Sein Freund Jørgen wiederum ist schüchtern, nicht ganz passend für einen Hotelrezeptionisten, aber darin ähnelt er Andreas, dem neuen Pfarrer, der nur zur Vertretung geschickt wurde und im Hotel wohnt. Alle drei sind Kunden der Friseurin Karen und der italienischen Kellnerin Giulia. Schicksal und Zufall, denen mitunter etwas nachgeholfen wird, führen die sechs zusammen, trennen sie wieder, lassen sie erneut aufeinander treffen und schließlich die Richtigen zueinander finden. Und dann braucht der Pfarrer seinen Maserati nicht mehr.

"Italiensk for Begyndere" gibt sich durch das vorneweg eingeblendete Dogma-Zertifikat als Film zu erkennen, der den 1995 aufgestellten Keuschheitsregeln einer Gruppe dänischer Regisseure folgt. Dass Lone Scherfig Regie geführt hat, wird im Nachspann immerhin zugegeben - auch wenn die Namenserwähnung ein Regelverstoß ist, aber damit nimmt man es wohl nicht mehr so genau wie noch vor fünf Jahren. Sie ist die erste Frau, die einen Film im Dogma-Geist gedreht hat: Das macht sich am undogmatischen Umgang mit den Regeln bemerkbar.

Denn "Italiensk for Begyndere" ist ein Genrefilm par excellence: eine romantische Komödie, die genau das tut, was sie tun muss - ihr Publikum vielleicht zum Weinen und unbedingt zum Lachen zu bringen, es nachdenklicher und sehr viel glücklicher aus dem Kino zu entlassen als es hineingegangen ist. Trotz allen Verzichts auf die Errungenschaften der kinematografischen Technik kommt "Italiensk for Begyndere" elegant und leicht daher und verfügt dabei sogar über ein dramaturgisch schlüssiges visuelles Konzept: Immer weiter weg von den dunklen, kargen, dänischen Interieurs bewegen sich die Protagonisten - und als sich ihre Herzen öffnen, kommen sie endlich ans Tageslicht. Und das ist selbst im grauen dänischen Winter noch hell genug, um ohne künstliche Beleuchtung zu drehen.





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