Iván Fischer verlässt das Konzerthaus : Ein harmonischer Abgang

Gehen, wenn's am schönsten ist: Iván Fischer will seinen Vertrag als Chefdirigent des Konzerthausorchesters nicht verlängern. Die Suche nach einem Nachfolger hat begonnen.

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Iván Fischer Foto: Jörg Carstensen/dpa
Gute gelaunt. Der ungarische Dirigent Iván Fischer bei der Bekanntgabe seines Abschieds vom Konzerthaus.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Er hat sich nie darauf festlegen lassen, wie lange er am Konzerthaus bleiben würde. Dem jahrelangen Vorausplanen im Klassikbetrieb stand er stets skeptisch gegenüber. Jetzt hat sich Iván Fischer entschieden: Er wird seinen Vertrag als Chefdirigent des Konzerthausorchesters im Sommer 2018 auslaufen lassen. Der 65-jährige Ungar möchte künftig mehr Zeit zum Komponieren haben. Und natürlich für das Orchester, das immer in besonderer Weise das seine sein wird, das Budapest Festival Orchestra. Es braucht seinen Gründer, allein, um finanziell zu überleben.

2012 trat Fischer seinen Posten am Gendarmenmarkt an, empfangen von einer Welle der Zuneigung nach dem verkrampften Abschied von Lothar Zagrosek. Für Intendant Sebastian Nordmann ist er die Idealbesetzung: „Iván Fischer ist nicht nur ein großartiger Musiker, sondern auch der beste Partner, den ich mir an meiner Seite wünschen konnte, um die programmatische Öffnung des Konzerthauses Berlin fortzuführen.“ Der neue Chef brachte Konzertformate mit, der er bereits in Budapest erprobt hatte, spielte Mozart-Opern oder ließ das Publikum mitten im Orchester Platz nehmen. Die neue Bühnentechnik, an deren akustischer Erprobung Fischer akribisch tüftelte, macht es möglich.

Fischer blickt zufrieden auf seine Arbeit zurück

Nun soll nach sechs Jahren Schluss sein. Aber nicht so ganz. Das Konzerthausorchester will auch künftig Teil von Fischers kleiner musikalischer Familie bleiben. Nach seinem Vertragsende 2018 wird er in jeder Saison vier Programme mit den Musikern erarbeiten. Die danken es ihm mit der Ernennung zum Ehrendirigenten, einem Titel, den bisher nur Kurt Sanderling erhielt. Fischer selbst blickt zufrieden auf seine bisherige Arbeit am Konzerthaus zurück: „Die Besucherzahlen sind stark angestiegen, und das Orchester wird derzeit als eines der besten Orchester in Berlin anerkannt. Das Konzerthausorchester ist jetzt in hervorragender Verfassung, und die Konzerte im Konzerthaus gehören der internationalen Spitze an.“

Spitzenklasse am Gendarmenmarkt hatten auch die vorangegangenen Chefdirigenten stets versprochen – und selten erreicht. Fischer hat in puncto Spielkultur mehr zu geben vermocht, auch sein Humor gehört dazu. Intendant Nordmann zeigt sich daher zuversichtlich, „einen spannenden Nachfolger zu finden.“ Den wird er auch brauchen, um seinem Haus auch künftig Aufmerksamkeit zu sichern. Fischer steuerte dazu bei, was er im Köcher hat. Bevor sein Vorrat aufgebraucht ist, zieht sich der Chef zurück. Es gibt schlechtere Entscheidungen. Sein Nachfolger – oder seine Nachfolgerin – wird mit großer Sicherheit einer jüngeren Generation angehören. Und im Idealfall von einem Ehrendirigenten Fischer profitieren können.

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